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Magen (Gastritis)

1. Magen

Der Magen hat Neben dem Durchmischen des Futters verschiedene Aufgaben für die Verdauung. Hierzu zählen vor allem die Ansäuerung durch die Magensäure sowie die Hormonproduktion (z.B. Gastrin), welche die weitere Verdauung steuert. Störungen dieser Komplexen Regulation führen schnell zu Symptomen.

(a) Akute Gastritis

Die akute Gastritis ist durch ein kurzes Krankheitsgeschehen von weniger als sieben Tagen gekennzeichnet. Meistens ist der Magen nur oberflächlich betroffen (katarrhalische Entzündung), reicht die Entzündung tiefer spricht man von einer erosiven Gastritis. Sehr selten entstehen Ulzera: hier durchdringt die Entzündung die Magenschleimhaut. Dies ist sehr problematisch, da die aggressive Magensäure nun Schäden anrichten kann.

Ursachen sind meistens die Aufnahme von Toxinen (Schimmel, Aas, Müll) oder von verdorbenem Futter. Medikamente (klassische Schmerzmittel bzw. Entzündungshemmer) können durch eine Hemmung der COX-1 (Cyclooxigenase-1) die Produktion schleimhautschützender Stoffe unterdrücken und so die Entstehung von Ulzera begünstigen. Leber- oder Nierenprobleme sowie Tumore (z.B. Gastrinome = Zollinger-Ellison-Syndrom) können die Entstehung akuter Magenentzündungen ebenfalls auslösen.

Die Symptome sind unspezifisch, das Fressen von Gras, Erbrechen, Apathie aber auch Durchfall sind häufig. Die Behandlung erstreckt sich auf die Vermeidung einer weiteren Belastung. Der Magenschutz kann durch H2-Blocker oder Protonenpumpeninhibitoren unterstützt werden. Erbrechen kann medikamentös unterdrückt werden. Eine mehrwöchige Schonkost sowie Eicospentaensäure (EPA) helfen bei der Regeneration.

Die Diagnose „Akute Gastritis“ kann nur mittels Gastroskopie und Entnahme von Biopsieproben gesichert werden - da im überwiegenden Teil eine schnelle Abheilung erfolgt, ist dies jedoch unnötig.

(b) Chronische Gastritis

Der Komplex der chronischen Gastritis lässt sich je nach Art der dominierenden Entzündungssymptome in verschiedene Erkrankungen differenzieren. Eine chronische Gastritis ist durch wechselhaftes (intermittierendes) Erbrechen und eine Erkrankungsdauer von mehr als 14 Tagen gekennzeichnet. Betroffene Hunde fressen vermehr Erde, Gras und andere längliche Pflanzenbestandteile.

Histologisch finden sich Entzündungszellen in Mucosa und Submucosa. Eine genaue Differenzierung ist leider meistens nur über Biopsien im Rahmen einer Gastroskopie möglich.

I. Eosinophile Gastritis

Wie der Name schon sagt ist die eosinophile Gastritis geprägt durch das Vorkommen von eosinophilen Granulozyten. Diese Erkrankung kann sich auch auf den Dünndarm erstrecken und wird dann zum Komplex der IBD gezählt. Als Ursache wird eine Reaktion auf Futterbestandteile vermutet, auch das Vorkommen von Parasiten wird diskutiert.

Die Diagnosesicherung erfolgt durch Bioptate.

Bestandteil der Therapie muss eine Futterumstellung sowie eine immunsuppressive Therapie sein. Begleitet werden kann die Therapie von einer generell fettarmen Kost, welche aber hohe Dosen an EPA enthält. Da eosinophile Granulozyten klassischerweise bei einer Parasitose vermehrt vorkommen, sollte auch eine intensive antiparasitäre Behandlung (vorzugsweise mit Fenbendazol) erfolgen.

II. Lymphoplasmazelluläre Gastritis

Die lymphopasmazelluläre Gastritis ist die häufigste chronische Magenentzündung des Hundes. Über die Ursache wird intensiv geforscht: Helicobacter pylori, eine Beteiligung am IBD-Komplex sowie Futtermittelunverträglichkeiten werden diskutiert. Im Rahmen einer lymphoplasmazellulären Gastritis kommt es zur Fibrose von Magenschleimhaut und somit zu einer Schwächung der Magenarchitektur.

Die Diagnosesicherung erfolgt über eine Biopsie im Rahmen einer Gastroskopie.

Die Therapie umfasst neben einer Futterumstellung (Vermeidung bereits „bekannter“ Proteinquellen, viel EPA, wenig pflanzliche Fette) eine immunsuppressive Therapie mit Prednisolon, Azathioprin oder Ciclosporin, um die Entzündung schnell einzudämmen und weitere Fibrosierungen zu verhindern.

III. Hypertrophe Gastritis

Bei der hypertrophen Gastritis kommt es zu einer starken Verdickung (Hypertrophie) der Magenschleimhaut. Die Schleimhautfalten des Magens verdicken sich zunehmend und können die physiologische Durchmischung sowie Entleerung des Magens behindern. Die Ursachen sind ein zu hoher pH-Wert des Magens (z.B. durch dauerhafte Gabe von Antazida) oder eine sekundäre Bildung als Folge einer chronischen Entzündung.

Die Symptome sind ebenfalls durch Erbrechen, Durchfall und Gras fressen gekennzeichnet. Neben einer Gastroskopie kann auch eine Ultraschalluntersuchung die starken Verdickungen der Magenschleimhaut zeigen. Die Therapie sollte in einer Normalisierung des Magen-pH-Wertes liegen; meistens helfen Motilitätsförderer (z.B. MCP) in Verbindung mit schnell verdaulicher Kost.

IV. Helicobacter pylori

Das Bakterium Helicobacter pylori löst beim Menschen die Gastritis Typ B aus und wird bei einem Nachweis intensiv behandelt. Eine Beteiligung bei der Entstehung von Magenulzera sowie Tumoren gilt als gesichert.

Die Rolle von Helicobacter pylori beim Hund ist hingegen äußerst umstritten, da Helicobacterähnliche Bakterien in den Mägen bzw. Därmen von nahezu 99% aller Hunde nachgewiesen werden können. Momentan wird die Theorie favorisiert, dass eine Besiedlung mit Helicobacter beim gesunden Hund problemlos ist, dieser aber in einer geschädigten Magen-Schleimhaut durchaus eine krankhafte Besiedlung etablieren kann.

Der Nachweis von Helicobacter ist in Bioptaten, mittels PCR (Polymerase Kettenreaktion) aus Kotproben oder über den Nachweis von Antikörpern aus Serum möglich. Ob eine Therapie sinnvoll ist muss der behandelnde Tierarzt individuell entscheiden.

Ein häufiges Therapieschema besteht aus dem „Triple Shot“: Omeprazol, Amoxicillin und Metronidazol über drei Wochen.

(c) Pylorusstenose

Als Pylorus bezeichnet man das Gebiet des Magens, welches den Übergang zum Dünndarm kennzeichnet. Hier befinden sich bis zu einem Zeitraum von 12-16 Stunden nach der Futteraufnahme noch Futterbestandteile. Während der pH-Wert im Magen zwischen sehr sauren 1-2 liegt, beträgt er im vorderen Dünndarm bereits 5-6. Dies ist notwendig für die Aktivität der Verdauungsenzyme und wird durch den stark basischen (pH 10-11) Saft der Bauchspeicheldrüse erreicht. Bei einer Pylorusstenose, also einer Entleerungsstörung, kann auch der vordere Teil des Dünndarms übersäuern.

Die Ursache können erworben oder angeboren sein.

I. Erworbene Pylorusstenose

Bei der erworbenen Form der Pylorusstenose kommt es durch eine Hypertrophie, also Verdickung im Bereich Antrum/Pylorus zu einer Entleerungsstörung des Magens. Die Erkrankung wird vor allem bei kleineren Rassen beobachtet und tritt vermehrt im mittleren Alter auf. Es entsteht ein Teufelskreis: die meist durch Entzündungen entstandene Hypertrophie führt zu einem längeren verweilen des Mageninhalts, dadurch kommt es zur Magendilatation. Eine vermehrte Gastrinausschüttung ist die Folge und führt wieder zu zusätzlicher Verdickung der Mucosa.

Die Symptome sind Erbrechen von Nahrung mehr als acht Stunden nach dem Fressen, was auf ein langes Verbleiben im Magen hindeutet.

Die Diagnose kann durch Kontrastmittelröntgen oder Ultraschalluntersuchungen erfolgen.

Die Therapie erfolgt chirurgisch (Pyloroplastik oder Myotomie) und ist sowohl einfach als auch schnell durchführbar (leider kommt es häufiger zu Rezidiven).

II. Angeborene Pylorusstenose

Die angeborene Pylorusstenose ist eine Erkrankung der Welpen, welche zum ersten Mal bei der Aufnahme von festem Futter (ca. 4-6 Wochen) auftritt. Betroffene Welpen fressen gut, erbrechen aber ca. 1-2 Stunden nach der Futteraufnahme. Die Tiere bleiben im Wachstum zurück und kümmern.

(d) Magendilatation

Die Magendilatation ist eine akute Aufblähung des Magens durch Wasser oder Futter und von außen nicht von einer lebensbedrohlichen Magendrehung zu unterscheiden. Der Bauch ist meist einseitig aufgetrieben („Birne“), das Allgemeinbefinden der Tiere ist schlecht.

Zur Unterscheidung von einer Magendrehung muss eine Röntgenaufnahme angefertigt werden. Die Therapie erfolgt durch eine medikamentöse Förderung der Magenbewegung mittels Metoclopramid und Novaminsulfon; bei Erbrechen zeigen viele Hunde ebenfalls eine schnelle Besserung.

Eine unzureichend behandelte oder wiederkehrende Magendilatation kann in eine Drehung übergehen.

(e) Magendrehung

Die Magendrehung ist eine akute Krankheit und führt unbehandelt zu einem Tod innerhalb weniger Stunden. Nahezu alle Magendrehungen entstehen bei Hunden großer Rassen mit einem Gewicht über 20 kg.

Die Krankheit entsteht bei starker Füllung des Magens und/oder akutem Stress der betroffenen Tiere. Gleichzeitig muss die normale Entleerung des Magens gestört sein. Durch die Gasbildung im Magen kommt es zu einer Dehnung der großen Kurvatur, der Magenausgang verlagert sich nach vorne links, wodurch auch der Eingang der Speiseröhre verlagert wird. Die mit dem Magen verbundene Milz dreht sich nach rechts und verschließt durch die entstehende Zugkraft beide Ausgänge des Magens. Durch die Gasbildung wird die Gefäßversorgung von Magen und Milz zunehmend beeinträchtigt, zudem fällt die Atmung durch eine Zwerchfellblockade schwerer. Die Sauerstoffversorgung sinkt, unbehandelt folgen ein Kreislaufschock und der Tod.

Typischerweise entsteht eine Magendrehung abends oder nachts nach der abendlichen Fütterung auf. Die Tiere würgen meist, jedoch wird nur abgeschluckter Speichel hochgewürgt. Der Bauch ist gebläht, es besteht meist Atemnot. Die Kreislaufschwäche kann zu Apathie und Bewusstlosigkeit führen.

Die Diagnose erfolgt über das klinische Bild sowie eine Röntgenaufnahme; im Anschluss muss eine Not-OP erfolgen. Zur Stabilisierung kann der Magen von außen entgast werden, auch werden große Mengen Flüssigkeit schnell infundiert. Dies scheint die Überlebensrate deutlich zu verbessern.

In der OP wird der Magen entleert und zurückgedreht. Um eine erneute Magendrehung zu verhindern, wird der Magen durch unterschiedliche Techniken an der Bauchwand befestigt. Häufig muss die Milz aufgrund von Gefäßabrissen oder Nekrosen entfernt werden, auch Magenanteile können bereits abgestorben sein und müssen entfernt werden.

Auch nach der OP müssen die Tiere intensiv überwacht werden: Toxine oder Folgeschäden können u.a. zu Herzproblemen führen. Die Hunde müssen langsam wieder angefüttert werden und benötigen einige Tage bis Wochen zur vollständigen Genesung.

Die Überlebenschance bei frühzeitiger Erkennung liegt nach eigener Erfahrung bei ca. 80%. Sobald Magenanteile entfernt werden müssen, sinkt die Überlebenschance deutlich. Die einzige Alternative zu einer Operation ist eine Euthanasie.

(f) Magenatonie

Unter einer Magenatonie versteht man eine unzureichende oder sogar ausgefallene Beweglichkeit des Magen. Hierdurch wird eine Entleerung des Mageninhalts in den Darm deutlich verzögert. Es gibt verschiedene Gründe für eine solche Entleerungsstörung, vor allem die Gastritis (Magenschleimhautentzündung) sowie Leber- oder Bauchspeicheldrüsenprobleme sind hier zu nennen.

Das Hauptsymptom ist das Erbrechen von Futter mehrere Stunden nach der Futteraufnahme; die Symptome ähneln somit stark einer Pylorusstenose. Eine genaue Diagnose gelingt nur nach einer Kontrastmittelstudie, manchmal muss zur Differenzierung eine Probelaparotomie durchgeführt werden.

Die Therapie richtet sich nach der Grundursache; sogenannte „Motilitätsförderer“ wie z.B. Metoclopramid helfen meistens sehr gut gegen die Symptome. Die Gabe von EPA kann sich äußerst positiv auf die entzündlichen Grundursachen auswirken, welche jedoch genau ausdiagnostiziert werden sollten.