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Magen-Darmentzündungen

Entzündliche Erkrankungen des Darms können diverse Ursachen haben; zudem kann der Verdauungstrakt in all seinen Abschnitten betroffen sein. Im Folgenden konzentrieren wir uns auf die Probleme von Magen und Darm.

1. Magen

2. Dünndarm

3. Dickdarm

4. Rektum

 

1. Magen

Der Magen hat Neben dem Durchmischen des Futters verschiedene Aufgaben für die Verdauung. Hierzu zählen vor allem die Ansäuerung durch die Magensäure sowie die Hormonproduktion (z.B. Gastrin), welche die weitere Verdauung steuert. Störungen dieser Komplexen Regulation führen schnell zu Symptomen.

 

(a) Akute Gastritis

Die akute Gastritis ist durch ein kurzes Krankheitsgeschehen von weniger als sieben Tagen gekennzeichnet. Meistens ist der Magen nur oberflächlich betroffen (katarrhalische Entzündung), reicht die Entzündung tiefer spricht man von einer erosiven Gastritis. Sehr selten entstehen Ulzera: hier durchdringt die Entzündung die Magenschleimhaut. Dies ist sehr problematisch, da die aggressive Magensäure nun Schäden anrichten kann.

Ursachen sind meistens die Aufnahme von Toxinen (Schimmel, Aas, Müll) oder von verdorbenem Futter. Medikamente (klassische Schmerzmittel bzw. Entzündungshemmer) können durch eine Hemmung der COX-1 (Cyclooxigenase-1) die Produktion schleimhautschützender Stoffe unterdrücken und so die Entstehung von Ulzera begünstigen. Leber- oder Nierenprobleme sowie Tumore (z.B. Gastrinome = Zollinger-Ellison-Syndrom) können die Entstehung akuter Magenentzündungen ebenfalls auslösen.

Die Symptome sind unspezifisch, das Fressen von Gras, Erbrechen, Apathie aber auch Durchfall sind häufig. Die Behandlung erstreckt sich auf die Vermeidung einer weiteren Belastung. Der Magenschutz kann durch H2-Blocker oder Protonenpumpeninhibitoren unterstützt werden. Erbrechen kann medikamentös unterdrückt werden. Eine mehrwöchige Schonkost sowie Eicospentaensäure (EPA) helfen bei der Regeneration.

Die Diagnose „Akute Gastritis“ kann nur mittels Gastroskopie und Entnahme von Biopsieproben gesichert werden - da im überwiegenden Teil eine schnelle Abheilung erfolgt, ist dies jedoch unnötig.

 

(b) Chronische Gastritis

Der Komplex der chronischen Gastritis lässt sich je nach Art der dominierenden Entzündungssymptome in verschiedene Erkrankungen differenzieren. Eine chronische Gastritis ist durch wechselhaftes (intermittierendes) Erbrechen und eine Erkrankungsdauer von mehr als 14 Tagen gekennzeichnet. Betroffene Hunde fressen vermehr Erde, Gras und andere längliche Pflanzenbestandteile.

Histologisch finden sich Entzündungszellen in Mucosa und Submucosa. Eine genaue Differenzierung ist leider meistens nur über Biopsien im Rahmen einer Gastroskopie möglich.

I. Eosinophile Gastritis

Wie der Name schon sagt ist die eosinophile Gastritis geprägt durch das Vorkommen von eosinophilen Granulozyten. Diese Erkrankung kann sich auch auf den Dünndarm erstrecken und wird dann zum Komplex der IBD gezählt. Als Ursache wird eine Reaktion auf Futterbestandteile vermutet, auch das Vorkommen von Parasiten wird diskutiert.

Die Diagnosesicherung erfolgt durch Bioptate.

Bestandteil der Therapie muss eine Futterumstellung sowie eine immunsuppressive Therapie sein. Begleitet werden kann die Therapie von einer generell fettarmen Kost, welche aber hohe Dosen an EPA enthält. Da eosinophile Granulozyten klassischerweise bei einer Parasitose vermehrt vorkommen, sollte auch eine intensive antiparasitäre Behandlung (vorzugsweise mit Fenbendazol) erfolgen.

II. LymphoplasmazelluläreGastritis

Die lymphopasmazelluläre Gastritis ist die häufigste chronische Magenentzündung des Hundes. Über die Ursache wird intensiv geforscht: Helicobacter pylori, eine Beteiligung am IBD-Komplex sowie Futtermittelunverträglichkeiten werden diskutiert. Im Rahmen einer lymphoplasmazellulären Gastritis kommt es zur Fibrose von Magenschleimhaut und somit zu einer Schwächung der Magenarchitektur.

Die Diagnosesicherung erfolgt über eine Biopsie im Rahmen einer Gastroskopie.

Die Therapie umfasst neben einer Futterumstellung (Vermeidung bereits „bekannter“ Proteinquellen, viel EPA, wenig pflanzliche Fette) eine immunsuppressive Therapie mit Prednisolon, Azathioprin oder Ciclosporin, um die Entzündung schnell einzudämmen und weitere Fibrosierungen zu verhindern.

III. Hypertrophe Gastritis

Bei der hypertrophen Gastritis kommt es zu einer starken Verdickung (Hypertrophie) der Magenschleimhaut. Die Schleimhautfalten des Magens verdicken sich zunehmend und können die physiologische Durchmischung sowie Entleerung des Magens behindern. Die Ursachen sind ein zu hoher pH-Wert des Magens (z.B. durch dauerhafte Gabe von Antazida) oder eine sekundäre Bildung als Folge einer chronischen Entzündung.

Die Symptome sind ebenfalls durch Erbrechen, Durchfall und Gras fressen gekennzeichnet. Neben einer Gastroskopie kann auch eine Ultraschalluntersuchung die starken Verdickungen der Magenschleimhaut zeigen. Die Therapie sollte in einer Normalisierung des Magen-pH-Wertes liegen; meistens helfen Motilitätsförderer (z.B. MCP) in Verbindung mit schnell verdaulicher Kost.

IV. Helicobacter pylori

Das Bakterium Helicobacter pylori löst beim Menschen die Gastritis Typ B aus und wird bei einem Nachweis intensiv behandelt. Eine Beteiligung bei der Entstehung von Magenulzera sowie Tumoren gilt als gesichert.

Die Rolle von Helicobacter pylori beim Hund ist hingegen äußerst umstritten, da Helicobacterähnliche Bakterien in den Mägen bzw. Därmen von nahezu 99% aller Hunde nachgewiesen werden können. Momentan wird die Theorie favorisiert, dass eine Besiedlung mit Helicobacter beim gesunden Hund problemlos ist, dieser aber in einer geschädigten Magen-Schleimhaut durchaus eine krankhafte Besiedlung etablieren kann.

Der Nachweis von Helicobacter ist in Bioptaten, mittels PCR (Polymerase Kettenreaktion) aus Kotproben oder über den Nachweis von Antikörpern aus Serum möglich. Ob eine Therapie sinnvoll ist muss der behandelnde Tierarzt individuell entscheiden.

Ein häufiges Therapieschema besteht aus dem „Triple Shot“: Omeprazol, Amoxicillin und Metronidazol über drei Wochen.

 

(c) Pylorusstenose

Als Pylorus bezeichnet man das Gebiet des Magens, welches den Übergang zum Dünndarm kennzeichnet. Hier befinden sich bis zu einem Zeitraum von 12-16 Stunden nach der Futteraufnahme noch Futterbestandteile. Während der pH-Wert im Magen zwischen sehr sauren 1-2 liegt, beträgt er im vorderen Dünndarm bereits 5-6. Dies ist notwendig für die Aktivität der Verdauungsenzyme und wird durch den stark basischen (pH 10-11) Saft der Bauchspeicheldrüse erreicht. Bei einer Pylorusstenose, also einer Entleerungsstörung, kann auch der vordere Teil des Dünndarms übersäuern.

Die Ursache können erworben oder angeboren sein.

I. Erworbene Pylorusstenose

Bei der erworbenen Form der Pylorusstenose kommt es durch eine Hypertrophie, also Verdickung im Bereich Antrum/Pylorus zu einer Entleerungsstörung des Magens. Die Erkrankung wird vor allem bei kleineren Rassen beobachtet und tritt vermehrt im mittleren Alter auf. Es entsteht ein Teufelskreis: die meist durch Entzündungen entstandene Hypertrophie führt zu einem längeren verweilen des Mageninhalts, dadurch kommt es zur Magendilatation. Eine vermehrte Gastrinausschüttung ist die Folge und führt wieder zu zusätzlicher Verdickung der Mucosa.

Die Symptome sind Erbrechen von Nahrung mehr als acht Stunden nach dem Fressen, was auf ein langes Verbleiben im Magen hindeutet.

Die Diagnose kann durch Kontrastmittelröntgen oder Ultraschalluntersuchungen erfolgen.

Die Therapie erfolgt chirurgisch (Pyloroplastik oder Myotomie) und ist sowohl einfach als auch schnell durchführbar (leider kommt es häufiger zu Rezidiven).

II. Angeborene Pylorusstenose

Die angeborene Pylorusstenose ist eine Erkrankung der Welpen, welche zum ersten Mal bei der Aufnahme von festem Futter (ca. 4-6 Wochen) auftritt. Betroffene Welpen fressen gut, erbrechen aber ca. 1-2 Stunden nach der Futteraufnahme. Die Tiere bleiben im Wachstum zurück und kümmern.

 

(d) Magendilatation

Die Magendilatation ist eine akute Aufblähung des Magens durch Wasser oder Futter und von außen nicht von einer lebensbedrohlichen Magendrehung zu unterscheiden. Der Bauch ist meist einseitig aufgetrieben („Birne“), das Allgemeinbefinden der Tiere ist schlecht.

Zur Unterscheidung von einer Magendrehung muss eine Röntgenaufnahme angefertigt werden. Die Therapie erfolgt durch eine medikamentöse Förderung der Magenbewegung mittels Metoclopramid und Novaminsulfon; bei Erbrechen zeigen viele Hunde ebenfalls eine schnelle Besserung.

Eine unzureichend behandelte oder wiederkehrende Magendilatation kann in eine Drehung übergehen.

 

(e) Magendrehung

Die Magendrehung ist eine akute Krankheit und führt unbehandelt zu einem Tod innerhalb weniger Stunden. Nahezu alle Magendrehungen entstehen bei Hunden großer Rassen mit einem Gewicht über 20 kg.

Die Krankheit entsteht bei starker Füllung des Magens und/oder akutem Stress der betroffenen Tiere. Gleichzeitig muss die normale Entleerung des Magens gestört sein. Durch die Gasbildung im Magen kommt es zu einer Dehnung der großen Kurvatur, der Magenausgang verlagert sich nach vorne links, wodurch auch der Eingang der Speiseröhre verlagert wird. Die mit dem Magen verbundene Milz dreht sich nach rechts und verschließt durch die entstehende Zugkraft beide Ausgänge des Magens. Durch die Gasbildung wird die Gefäßversorgung von Magen und Milz zunehmend beeinträchtigt, zudem fällt die Atmung durch eine Zwerchfellblockade schwerer. Die Sauerstoffversorgung sinkt, unbehandelt folgen ein Kreislaufschock und der Tod.

Typischerweise entsteht eine Magendrehung abends oder nachts nach der abendlichen Fütterung auf. Die Tiere würgen meist, jedoch wird nur abgeschluckter Speichel hochgewürgt. Der Bauch ist gebläht, es besteht meist Atemnot. Die Kreislaufschwäche kann zu Apathie und Bewusstlosigkeit führen.

Die Diagnose erfolgt über das klinische Bild sowie eine Röntgenaufnahme; im Anschluss muss eine Not-OP erfolgen. Zur Stabilisierung kann der Magen von außen entgast werden, auch werden große Mengen Flüssigkeit schnell infundiert. Dies scheint die Überlebensrate deutlich zu verbessern.

In der OP wird der Magen entleert und zurückgedreht. Um eine erneute Magendrehung zu verhindern, wird der Magen durch unterschiedliche Techniken an der Bauchwand befestigt. Häufig muss die Milz aufgrund von Gefäßabrissen oder Nekrosen entfernt werden, auch Magenanteile können bereits abgestorben sein und müssen entfernt werden.

Auch nach der OP müssen die Tiere intensiv überwacht werden: Toxine oder Folgeschäden können u.a. zu Herzproblemen führen. Die Hunde müssen langsam wieder angefüttert werden und benötigen einige Tage bis Wochen zur vollständigen Genesung.

Die Überlebenschance bei frühzeitiger Erkennung liegt nach eigener Erfahrung bei ca. 80%. Sobald Magenanteile entfernt werden müssen, sinkt die Überlebenschance deutlich. Die einzige Alternative zu einer Operation ist eine Euthanasie.

 

(f) Magenatonie

Unter einer Magenatonie versteht man eine unzureichende oder sogar ausgefallene Beweglichkeit des Magen. Hierdurch wird eine Entleerung des Mageninhalts in den Darm deutlich verzögert. Es gibt verschiedene Gründe für eine solche Entleerungsstörung, vor allem die Gastritis (Magenschleimhautentzündung) sowie Leber- oder Bauchspeicheldrüsenprobleme sind hier zu nennen.

Das Hauptsymptom ist das Erbrechen von Futter mehrere Stunden nach der Futteraufnahme; die Symptome ähneln somit stark einer Pylorusstenose. Eine genaue Diagnose gelingt nur nach einer Kontrastmittelstudie, manchmal muss zur Differenzierung eine Probelaparotomie durchgeführt werden.

Die Therapie richtet sich nach der Grundursache; sogenannte „Motilitätsförderer“ wie z.B. Metoclopramid helfen meistens sehr gut gegen die Symptome. Die Gabe von EPA kann sich äußerst positiv auf die entzündlichen Grundursachen auswirken, welche jedoch genau ausdiagnostiziert werden sollten.

 

2. Dünndarm

Der Dünndarm beginnt direkt am Ausgang des Magens und ist anatomisch in drei Abschnitte unterteilt: der Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum). Das Ileum geht dann in den Dickdarm über.

Die Hauptaufgaben des Dünndarms sind die Pufferung des sehr sauren Mageninhalts, die Verdauung und die Aufnahme erster Nahrungsbestandteile. Zudem finden sich wichtige Immunorgane im Bereich des Dünndarms (vor allem im Ileum).

Erkrankungen des Dünndarms lassen sich nicht gut durch Ihre Lokalisation unterteilen, es finden eher ursächliche oder histologische Unterscheidungen statt. Generell unterscheidet man zwischen akuten (Krankheitsdauer unter 10 Tagen) und chronischen (Krankheitsdauer über 10 Tage oder wiederholte Erkrankung) Dünndarmerkrankungen.

Das Hauptsymptom einer jeden Darmerkrankung stellt natürlich Durchfall dar. Während sich ein erstmalig aufgetretener Durchfall meistens mit einer Schonkost (z.B. Reis mit Hüttenkäse oder Kartoffeln mit gekochtem Hähnchenfleisch) und „Durchfalltabletten“ unter Kontrolle bringen lässt, können länger anhaltende oder schwere Durchfälle durch hohe Wasser- und Elektrolytverluste lebensgefährlich werden. Insbesondere Jungtiere sind hier gefährdet.

Das Vorkommen von Durchfall kann aufgrund unterschiedlicher Ursachen entstehen:

- beim sekretorischen Durchfall kommt es zur Produktion von viel Mucosa („Darm-Schleim“) und somit Durchfall. Die Sekretion wird durch verschiedenste Gift- oder Fremdstoffe (u.a. auch durch Viren und Bakterien) hervorgerufen.

- Der osmotische Durchfall entsteht dadurch, dass im Darminhalt zu viele Substanzen osmotisch aktiv sind. Unter osmotischer Aktivität versteht man die Fähigkeit eines Stoffes, Wasser zu binden bzw. anzuziehen. Meist entstehen osmotische Durchfälle im Zusammenhang mit Verdauungsproblemen, zum Beispiel einer Bauchspeicheldrüsenentzündung.

- Motilitätsdurchfälle sind gekennzeichnet durch eine zu schnelle Peristaltik des Darms. Der Darminhalt wird somit zu schnell für eine ausreichende Resorption befördert. Gründe hierfür sind zum einen Giftstoffe (u.a. von Bakterien), zum anderen ist eine schnellere Peristaltik teil der körpereigenen Abwehr („Das Gift muss schnell raus!“).

- Durchfälle durch eine erhöhte Permeabilität (also Durchlässigkeit der Darmwand) kommen vor allem bei schweren Darmerkrankungen zum tragen, da durch Entzündungen die Darmwände „gelockert“ werden. Es kommt zu Flüssigkeits- und Eiweißverlusten in den Darm.

Im folgenden sollen die wichtigsten Erkrankungen des Darms kurz erläutert werden.

(a) Akute Dünndarmentzündung

Der akute Durchfall durch eine Dünndarmentzündung ist durch ein plötzliches Auftreten und einen raschen Verlauf gekennzeichnet. Häufige Ursachen sind die Aufnahme falschen Futters, Fressen von Aas, Nebenwirkungen von Medikamenten oder akute Infektionen. Fast immer ist der Verlauf mild und nicht lebensbedrohlich, kann jedoch durch verschiedene Faktoren verkompliziert werden (vor allem durch bakterielle Infektionen mit Klebsiellen, Salmonellen, Yersinien oder Campylobacter). Bei ungeimpften Jungtieren kann auch der Parvovirus zu extremen, häufig tödlichem Durchfall führen.

Die Hauptsymptome sind stets Durchfall, manchmal auch Bauchschmerzen. Bei starken Flüssigkeitsverlusten kann das Allgemeinbefinden des Tieres eingeschränkt sein.

Die Sofortbehandlung ist abhängig von der Schwere der Symptome: meistens sind einmalige Injektionen in Verbindung mit einer Schonkost und Durchfalltabletten ausreichend. Bei stärkerer Ausprägung sollte eine Blutuntersuchung erfolgen und eine Infusion den Flüssigkeitshaushalt stabilisieren. Neben einem Blutbild sollten sowohl die Elektrolyte als auch die Organwerte (Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse sowie Proteine) bestimmt werden. Es stehen zudem Schnelltests für den Nachweis von Parvovirus, Coronaviren und Giardien zur Verfügung. Cokzidien und Darmparasiten können über eine mikroskopische Kotuntersuchung festgestellt werden. Handelt es sich um schwere Fälle kann eine bakteriologische Kotuntersuchung Aufschluss über den Auslöser geben. Die Gabe von Antibiotika ist aber in den meisten Fällen nicht notwendig.

(b) Chronische Dündarmentzündung

Eine chronische und somit therapieresistente Dünndarmentzündung ist charakterisiert durch eine Dauer von mehr als 2-3 Wochen. Aufgrund der Belastung von Tier und Besitzer sollte hier Wert auf eine genaue Diagnosestellung gelegt werden, selbst wenn dies einen erhöhten Geldeinsatz und manchmal auch invasive Methoden (z.B. Darm-Biopsien) erfordert.

Die Hauptsymptome sind auch hier meistens Durchfall, aber auch Erbrechen, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Abmagerung und struppiges Fell werden beobachtet. Im Folgenden sollen die Hauptauslöser chronischer Dünndarmentzündungen erläutert werden:

I. Parasitosen des Darms

Der Befall mit Parasiten ist immer noch ein großes Problem. Während starke Wurmbefälle meines Empfinden nach zurück gegangen sind, haben sich die Nachweise von Gardien deutlich erhöht.

Generell unterteilt man die Endoparasiten des Hundes in Protozoen, Nematoden und Cestoden.

(a) Protozoen: Diese „Urtierchen“ sind eukaryotische Einzeller, welche aber trotz ihrer Einzelligkeit dem Reich der Tiere und nicht dem der Bakterien zugeordnet werden. Die für Hunde und Katzen bedeutsamen Protozoen sind Kokzidien, Giardien und Cryptosporidien.

  • Kokzidien: Diese Einzeller sind in diversen Arten bei allen Säugetieren zu finden und infizieren vor allem Jungtiere. Eine Infektion kann vor allem bei gestressten bzw. vorerkrankten Tieren oder durch eine hohe Erregerdichte (Tierheime, Hundezuchten) zu deutlicheren Krankheitssymptomen führen. Der Nachweis von Kokzidien ist über eine Kotuntersuchung (Flotation) möglich. Ist dieser erfolgt, können Kokzidien gezielt behandelt werden (z.B. durch Toltrazuril oder Sulfonamide). Eine parallele Gabe von Bentonit-haltigen Durchfalltabletten kann hilfreich sein.
  • Giardia intestinalis: Diese Flagellaten kommen in den letzten Jahren vermehrt vor. Giardien besiedeln vor allem den Dünndarm und können insbesondere bei jüngeren Tieren Erbrechen und blutige Durchfälle auslösen. Bei Hunden mit bereits bestehenden Darmproblemen kann eine Giardieninfektionen die Symptome weiter verkomplizieren. Die Übertragung findet relativ einfach am häufigsten über infiziertes Wasser (Pfützen!) statt, von denen aus sogenannte Oozysten aufgenommen werden. Ein Nachweis von Giardien ist aus dem Kot über eine Flotation mit mikroskopischer Untersuchung oder über einen Schnelltest (ELISA) möglich. Die Behandlung erfolgt dann durch Fenbendazol (zwei Zyklen) oder Metronidazol. Eine möglichst gute Umgebungshygiene sichert den Behandlungserfolg. Die parallele Gabe von Bentonit und Eichenrinde (Durchfalltabletten) kann helfen, die Darmschleimhaut zu beruhigen. Giardien werden manchmal auch auf den Menschen übertragen (Zoonose!)
  • Cryptosporidien: bei den für Hunde und Katzen wichtigen Arten handelt es sich um Cryptosporidia parvum, C. felis und C. canis. Das Infektionsgeschehen ähnelt der Giardiose: durch die orale Aufnahme von Oozysten über verschmutztes Wasser oder Futter kommt es zu einer Darminfektion. Diese läuft bei immunkompetenten, älteren Tieren fast immer symptomlos ab. Welpen oder geschwächte Tiere können jedoch eine akute Erkrankung erleben, die zu bräunlich-stinkenden Durchfall führt mit Bauchschmerzen führt. Der Erregernachweis aus Kot ist möglich und sollte bei einem Verdacht durchgeführt werden. Da eine zuverlässige Behandlung nicht verfügbar ist, sollte das Hauptaugenmerk auf gründliche Hygiene gelegt werden. Auch bei Cryptosporidien handelt es sich um eine potentielle Zoonose.

(b) Nematoden: Zu den bedeutsamen Nematoden bei Hund und Katze zählen Spulwürmer (Askaridien) und Hakenwürmer (Ancylostoma) sowie Peitschenwürmer (Trichuris). Nematoden werden auch als Fadenwürmer bezeichnet und sind gekennzeichnet durch das Synzitium der Epidermis. Diese Haut wird nicht aus einzelnen Zellen gebildet sondern durch eine Zellmasse mit mehreren Zellkernen. Diese Masse sondert die dicke, mehrtägige Cuticula ab, welche eine dichte Schutzschicht darstellt. Die größten Fadenwürmer (Parasiten der Pottwal-Plazenta) können bis zu 9 Meter lang und 2,5 cm breit werden. Symptome zeigen befallene Tiere nur bei sehr starker Verwurmung. In der Tierarztpraxis können Nematodeneier und -larven in einer Kotuntersuchung sicher erkannt und mit Wurmkuren behandelt werden. Die ESCCAP (Das wichtigste Gremium zur Festlegung von Therapiestrategien gegen Parasiten bei Haustieren in der EU) empfiehlt zudem verschiedene prophylaktische Entwurmungsmodelle. Mehr dazu: http:// www.esccap.org.

(c) Cestoden: Bandwürmer kommen bei nahezu allen Säugetieren vor. Charakteristisch für alle Bandwürmer ist jedoch das Vorkommen eines Zwischenwirtes. Je nach Art der Cestoden können Zwischenwirte Säugetiere (u.a. Mäuse oder auch Schlachttiere), Flöhe oder Schnecken sein. Kommt es zur Aufnahme von mit Larven infizierten Zwischenwirten, entwickeln sich adulte Cestoden. Zu den bedeutsamen Cestoden zählen vor allem Dipylidium caninum (Gurkenkernbandwurm), Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm), Echinococcus granulosus (Hundebandwurm) sowie Taenia taeniaeformis (Dickhalsiger Katzenbandwurm). Symptome zeigen befallene Tiere nur bei sehr starkem Wurmbefall. In der Tierarztpraxis können Cestodeneier und -larven in einer Kotuntersuchung sicher erkannt und mit Wurmkuren behandelt werden. Die ESCCAP (Das wichtigste Gremium zur Festlegung von Therapiestrategien gegen Parasiten bei Haustieren in der EU) empfiehlt zudem verschiedene prophylaktische Entwurmungsmodelle. Mehr dazu: http://www.esccap.org.

II. Futtermittelallergie / Futtermittelintoleranz

Die Reaktion auf Futtermittel wird unterteilt in Intoleranzen und Allergien. Einer Futtermittelallergie liegen ein (oder mehrere) spezielle Gründe zugrunde (z.B. Rindfleisch), welche eine nachweisbare allergische Reaktion auslösen. Vor diesem Krankheitsgeschehen ist es dementsprechend zu einer Sensibilisierung gekommen. Futtermittelintoleranzen hingegen stellen sich ohne vorherige Sensibilisierung ein; es kommt zu keiner allergischen Reaktion. Stattdessen befindet sich im Futter eine Substanz (z.B. ist zu viel Histamin enthalten), welche eine Reaktion bewirkt: das betroffene Tier ist gegen diese Substanz aber nicht allergisch sondern nur sehr empfindlich.

Interessanterweise sind die Hauptsymptome der meisten Futtermittelallergien oder -intoleranzen nicht Durchfall oder Erbrechen sondern Haut- oder Ohrenprobleme mit einhergehendem Juckreiz.

Sowohl in der Human- als auch Tiermedizin ist noch unbekannt, wie derartige Mechanismen entstehen: viele Wissenschaftler vermuten einen Zusammenhang zwischen Infektionen und Parasiten in der Jugend, andere vermuten falsche Ernährung. Auch der Mangel an Omega-3- Fettsäuren im Wachstum (insbesondere der Mangel an DHA und EPA) wird diskutiert.

Die Symptome variieren enorm: Juckreiz, rezidivierende Ohren- oder Pfotenentzündungen, Ekzeme, Haut- und Fellveränderungen, Durchfall, Erbrechen, Bauchgrummeln oder -schmerzen, wechselhafter Appetit, Gras fressen. Bei einer Futtermittelintoleranz dominieren die Magen-DarmSymptome, bei einer Futtermittelallergie dominieren die Hautsymptome.

Die Abklärung und Unterscheidung zwischen Allergie und Intoleranz ist mitunter entscheidend, aber äußerst schwierig. Bei Hinweisen auf falsche Ernährung kann eine Futtermittelumstellung mit nachfolgender Besserung beweisend sein. Blutuntersuchungen auf Futtermittelallergene sind möglich, aber umstritten: Die Ergebnisse scheinen zu korrelieren, aber sowohl Sensitivität („Wie viele Erkrankungen werden erkannt?“) als auch Spezifität („Wie viele von den erkannten positiven Fällen sind tatsächlich positiv?“) lassen zu wünschen übrig. Die Eliminationsdiät ist somit die beste Möglichkeit um Futtermittelallergien sicher zu erkennen: hierbei wird die Fütterung so umgestellt, dass das betroffene Tier ausschließlich mit Protein- und Kohlenhydratquellen versorgt wird, mit denen es bekannterweise noch keinen Kontakt hatte (z.B. ausschließlich Straußenfleisch und gekochte Pastinaken). Diese Diät muss über mindestens sechs Wochen gefüttert werden, um sicher zu gehen dass es sich um eine Futtermittelallergie handelt. Sollte eine Besserung eingetreten sein, kann nun mit einer „Provokation“ gestartet werden: zu der bekannten Eliminationsdiät werden nun nach einander verschiedene Proteine oder Kohlenhydrate gefüttert (im Abstand von zwei Wochen!)

- kommt es zu einer Verschlechterung bzw. einer Rückkehr der Symptome kann die verursachende Substanz als Allergen eingestuft werden.Auf diese allergischen Substanzen muss dann lebenslang verzichtet werden.

Leider ist diese Art der Diät sehr schwierig durchzuhalten, deshalb sind auch kommerzielle „Hypoallergene“ Diäten verfügbar (Vet-Concept, Hill’s, Royal Canine, …). Diese bestehen aus hydrolysierten Proteinen, wodurch allergisch wirkende Strukturen relativ sicher zerstört werden.

In besonders schweren Fällen kann die Gabe von Glucokortikoiden (Kortison) indiziert sein, um die allergische Entzündungsreaktion zu unterdrücken. Auch die gleichzeitige Gabe von Antibiotika ist bei schweren Hautveränderungen manchmal nötig.

Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA, können bei Futtermittelallergien sehr hilfreich eingesetzt werden, um das Entzündungsgeschehen zu modulieren. Da Allergien gegen Fischölkonzentrate (wie z.B. CaniMove EPA70) extrem unwahrscheinlich sind, kann EPA bereits in der Eliminationsphase zugefüttert werden.

III. IBD („Inflammatory Bowel Disease“)

Die IBD beschreibt eine chronische Dünndarmentzündung ohne feststellbaren Auslöser. Sie ist gekennzeichnet durch Entzündungen in der Lamina propria (die Lamina propria ist die innere Darmschicht, nur von der Mucosa (Schleimhaut) überzogen). Je nach dominierender Art der Entzündungszellen kann eine IBD in diverse Subtypen unterteilt werden:

  • Lymphoplasmazelluläre Enteritis: hierbei dominieren Lymphozyten oder Plasmazellen das Geschehen. Die Erkrankung kann im gesamten Magen-Darm-Trakt auftreten.
  • Eosinophile Enteritis: Hierbei dominieren Eosinophile Granulozyten das Entzündungsgeschehen. Manchmal sind diese auch im Blutbild erhöht. Die Erkrankung kann im gesamten Magen-DarmTrakt auftreten.
  • Granulomatöse Enteritis: Hierbei finden sich vor allem Makrophagen und Histiozyten. Schwerpunkt der Erkrankung ist das Ileum.

Die Symptome einer IBD sind chronische, zeitweise verschwindende Durchfälle unterschiedlicher Schwere und Ausprägung. Der Kot kann frisches oder geronnenes Blut enthalten (Melänaa). Der Appetit ist wechselhaft, das Fell stumpf, die Haut häufig schuppig. Die Darmlymphknoten des betroffenen Bereichs sind vergrößert, die Darmschlingen verdickt.

Die definitive Diagnose kann nur über eine Biopsie erfolgen: hierfür muss eine Probelaparotomie (eine chirurgische Eröffnung der Bauchhöhle) durchgeführt werden. Hinweise finden sich über eine Hypoproteinämie (zu wenig Serumproteine), eine monoklonale Gammopathie (erhöhte GammaGlobuline im Serum) oder eine Erhöhung des C-reaktiven Proteins im Blut (CRP). Leider ist nur das histologische Bild beweisend für eine IBD. Andere mögliche Ursachen sollten vorher durch Blut-, Kot-, Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen ausgeschlossen werden.

Die Behandlung sollte mehrere Punkte umfassen: Strikte hypoallergene Diät mit einer erhöhten Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren (v.a. von EPA: mind. 20 mg pro kg Körpergewicht 2 x tgl.). EPA dient zur Immunmodulation und zur Reduzierung der chronischen Entzündungsmediatoren. Eine mehrwöchige Therapie mit niedrig dosiertem Metronidazol reduziert zum einen unerwünschte Darmbakterien und wirkt zusätzlich lokal entzündungshemmend. Glucokortikoide (Kortison) werden zur Reduktion der Entzündungssymptome und zur Unterdrückung der überschießenden Immunreaktion eingesetzt. Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen wird versucht den Einsatz der Glucokortikoide nach 3-4 Wochen zu halbieren und dann langsam auszuschleichen. Kommt es trotz der Behandlung mit Kortison und Metronidazol nicht zu ausreichender Besserung müssen weitere Immunsuppressiva, zum Beispiel Ciclosporin oder Azathioprin eingesetzt werden. Häufig kann bei betroffenen Hunden ein Mangel an Vitamin B12 festgestellt werden, welches zusätzlich zugefüttert werden sollte.

Mit korrekter Diagnose, langem Atem und konsequenter Umsetzung lassen sich nahezu alle Hunde mit aktiver IBD erfolgreich therapieren.

IV. PLE („Protein Losing Enteropathie“)

Beim sogenannten Proteinverlust-Syndrom kommt es zu einem unkontrollierten Abgang von Proteinen, insbesondere von Albumin, in den Darm. Auch wenn verschiedene Mechanismen eine PLE auslösen können, sind stets Störungen im Lymphsystem des Darms ausschlaggebend.

Die Symptome variieren je nach Ausprägung der Erkrankung. Entsteht eine PLE im Rahmen von Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen stehen die Symptome der betroffenen Organe im Vordergrund. Bei primärer PLE kommt es zu wässrigem Durchfall und Abmagerung. Zu Beginn der Erkrankung kann der Körper die Proteinverluste kompensieren, nach einiger Zeit zeigen sich erniedrigte Proteinwerte jedoch im Blutserum. Sinkt der Albumingehalt im Serum noch weiter ab, kommt es zu Ödemen oder Aszites (Bauchwassersucht).

Die Diagnose erfolgt durch die Feststellung einer charakteristischen „Panhypoproteinämie“, also dem Absinken aller Proteinarten im Blut. Werden dann andere Ursachen ausgeschlossen (Leberoder Herzinsuffizienz, Tumore) ist eine PLE wahrscheinlich. Eine Diagnosesicherung ist durch eine Darmbiopsie abschließend möglich.

Die Behandlung ist komplex: zum einen muss versucht werden die Proteinverluste wieder aufzufangen (z.B. durch proteinhaltige Infusionen), zum anderen muss die Zufuhr von Proteinen im Futter begrenzt werden. Wichtig sind viele Fettsäuren für die Regeneration sowie für den Energiebedarf in einer protein-armen Fütterung.

Medikamentös werden vor allem Metronidazol und Prednisolon eingesetzt. Natürlich müssen Probleme andere Organe speziell behandelt werden.

V. SIBO („Small Intestinal Bacterial Overgrowth“)

Als SIBO bezeichnet man das Phänomen einer Dysbakterie, also die übermässige Vermehrung unerwünschter Bakterien im Dünndarm. Eine SIBO entsteht nur in den seltensten Fällen ohne bestimmten Auslöser, meistens führen andere Darmerkrankungen (alle Arten chronischer Durchfälle) zu einer Änderung der Darmflora.

Bei einem gesunden Hund werden im Dünndarminhalt etwa 105 Bakterien (ausgeschrieben: 100.000) pro ml gefunden; bei an SIBO erkrankten Tieren steigt diese Zahl bis auf 108 (also 10.000.000) pro ml. Gefundene Bakterienarten sind E.coli, Enterokokken, Staphylokokken und Clostridien.

Die übermäßige Vermehrung von Bakterien führt zu vermehrter Bildung von Toxinen und so zur Schädigung der Darmzotten und Darmschleimhaut. Gleichzeitig werden Verdauungsenzyme durch Bakterien abgebaut, womit die Verdauung nur noch unvollständig stattfinden kann.

Die Folge sind Durchfall, fehlerhafte Verdauung und Proteinverluste. Die Aufnahme von Vitamin B12 (Cobalamin) ist gestört, gleichzeitig wird vermehrt Folsäure frei: zwei Parameter, die man über das Blut zur Bestimmung einer SIBO einsetzen kann.

Die Therapie erfolgt durch eine mehrwöchige Antibiotikabehandlung: meistens wird Metronidazol eingesetzt. Vitamin B12 muss manchmal ebenfalls zugegeben werden, auch Verdauungsenzyme stehen in Form von Kapseln oder Pulver zur Verfügung. Die Gabe von Eicosapentaensäure (EPA) in konzentrierter Form kann helfen, die Entzündung der Darmzotten zu regulieren.

Die Prognose bei einer SIBO ist gut: die allermeisten Fälle sprechen auf eine Antibiotikabehandlung sehr gut an.

 

3. Dickdarm

(a) Akute Dickdarmdurchfälle

Akute Dickdarmdurchfälle sind gekennzeichnet durch eine kurze Krankheitsdauer (weniger als fünf Tage). Die häufigsten Ursachen sind die Aufnahme falschen (unverträglichen) Futters, das Fressen von Aas, Parasiten oder bakterielle Infektionen der Dickdarmschleimhaut.

Der Kot ist dünn, breiig und wird häufig auch in der Wohnung abgesetzt. Meist sieht der Kot schleimig aus.

Eine genaue Diagnose kann meistens nicht gestellt werden, da eine Besserung innerhalb kurzer Zeit auftritt. Hilfreich ist hierbei eine Magen-Darm-Schonkost (kommerziell oder selbst gekocht (z.B. Kartoffeln und Hühnchen)) sowie klassische „Durchfalltabletten“ vom Tierarzt. Antibiotika sind in aller Regel nicht nötig.

Schwere Dickdarmdurchfälle, die mit Störungen des Allgemeinbefindens aufgrund von Bauchschmerzen und Dehydratation einhergehen, sind selten. Klassischerweise treten hier auch Blutbeimengungen im Durchfall auf (Hämatochezie). Schwere Dickdarmdurchfälle entstehen meistens durch eine Besiedelung mit pathogenen Bakterien wie Salmonellen oder Clostridien. Hier kann eine Bakteriologische Untersuchung zur Bestimmung der Durchfallursache hilfreich sein. Eine Behandlung mit Antibiotika sowie die Therapie von Austrocknung, Elektrolytverlusten und Bauchschmerzen führt in aller Regel zur Genesung. Stets sollten Fettgehalt in der Fütterung sowie andere Fütterungsursachen für Durchfälle bedacht werden. Die Gabe von Bentonit zur Toxinresorption sowie Elektrolyten, Bikarbonat und Eichenrinde kann eine gute Unterstützung sein.

Bei wiederkehrenden Problemen muss die Grundursache (Allergie? Immunologisch? Parasitose?) gefunden und behandelt werden.

(b) Colon irritable

Als „Reizdarmsyndrom“ bezeichnet man einen Erkrankung, die vor allem in Stressphasen ausbricht. Der Durchfall entsteht hierbei durch eine fehlerhafte Regulation der Darmmotilität (also der normalen Darm-Peristaltik). Auslöser hierfür ist eine durch Stress (also Cortisol) ausgelöste Verschiebung der neuro-chemischen Kontrollmechanismen des Darms.

Die Symptome sind sehr eindeutig: in Stressphasen, bei psychischen Belastungen oder Aufregung kommt es bei betroffenen Tieren zu einem starken Drang, Kot abzusetzen. Dieser Kot ist häufig breiig, schleimig und zum Ende hin dünnflüssig. Bei einigen Hunden kommen scheinbar Bauchschmerzen hinzu. Die Durchfälle klingen ab, sobald die Stressphase überwunden wurde.

Die Diagnose lässt sich nur anhand des Vorberichtes stellen; sicherheitshalber sollten Kotuntersuchungen eine Parasitose ausschließen. Auch eine falsche Fütterung muss ausgeschlossen werden.

Die akute Problematik kann durch eine Hemmung der Peristaltik (z.B. mit Butylscopolamin) gelindert werden. Ergänzungsfuttermittel mit Bentonit und Bakterienkulturen scheinen ebenfalls zur Besserung beizutragen. Entscheidend jedoch ist der Stressabbau und Training des Tieres: dieses kann durch Ergänzungsfuttermittel (z.B. auf Basis von Casein und Tryptophan) gezielt unterstützt werden.

(c) Chronische Dickdarmdurchfälle

Von chronischen Dickdarmdurchfällen spricht man bei komplexen, wiederkehrenden Erkrankungen von längerer Dauer (über 3 Wochen). Die meisten dieser Erkrankungen lassen sich nur schwer, häufig nur mit invasiven Biopsieentnahmen genau diagnostizieren. Bevor solche Diagnostikmaßnahmen in Betracht gezogen werden, müssen diverse Differentialdiagnosen ausgeschlossen worden sein: Parasitenbefall und Dysbakteriosen über Kotuntersuchungen, Hypoadrenokortizismus über Cortisolbestimmungen (mit oder ohne ACTH-Stimulationstest), Erkrankungen von Leber- oder Bauchspeicheldrüse über Blutuntersuchungen. Sowohl Röntgen- als auch Ultraschalluntersuchungen müssen durchgeführt werden um Fremdkörper, Ileus (Einstülpung des Darms) oder Megakolon (Dickdarmteil ohne ausreichende Peristaltik) ausschließen zu können. Auch eine hypoallergene Diät kann versucht werden. Bringen all diese Untersuchungen und Tests keine definitive Diagnose oder Besserung, liegt das Vorliegen einer „IBD-ähnlichen“ Kolitis nahe. Der Komplex dieser Erkrankungen, welche meistens nur durch unterschiedliche histologische Erscheinungsmuster unterschieden werden können, wird als Chronisch-idiopathische Kolitits bezeichnet. Hierzu zählen:

I. Granulomatöse Kolitis (Morbus-Crohn-ähnlich): Hierbei finden sich vor allem Makrophagen und Histiozyten in der Wand des Dickdarms, welche aufgequollen und entzündet ist.

II. Ulzerative Kolitits (histiozytäre Boxer-Kolitis): In der Darmmukosa finden sich vor allem Plasmazellen sowie Lymphozyten sowie ausgeprägte Ulzerationen, welche auch für erhebliche Blutungen sorgen können. Im Blutbild zeigt sich häufig eine regenerative Anämie. Klassischerweise sind jüngere Boxer sowie französische Bulldoggen betroffen.

III. Eosinophile Kolitis: Es zeigen sich im histologischen Bild Massen an eosinophilen Granulozyten, welche zu regelrechten Granulomen heranwachsen können. Diese Granulome lassen sich z.T. im Rektum fühlen. Es besteht häufig eine Eosinophilie im Blut. Da sich die Erkrankung auf den gesamten Magen-Darm-Trakt erstrecken kann können Erbrechen und Durchfall mit oder ohne Blutbeimengungen auftreten.

IV. Lymphoplasmazelluläre Kolitis: Wie beim IBD-Komplex ist die Lymphoplasmazelluläre Kolitis auch im Dickdarmbereich die häufigste idiopathische Störung. Das histologische Bild zeigt Lymphozyten und Plasmazellen, die Erkrankung kann sich entlang des gesamten Magen-Darm-Traktes ausbreiten. Erbrechen, Durchfall, Apathie, Austrocknung und Abmagerung sind möglich.

Die Therapie chronischer Dickdarmdurchfälle richtet sich nach der Ursache, was eine genaue Diagnose so wichtig macht. Lokale Entzündungshemmer und Antibiotika wie Metronidazol oder Sulfasalazin, Mastzellinhibitoren wie Chromoglicinsäure, Glukokortikoide wie Prednisolon oder Immunsuppressiva wie Azathioprin oder Ciclosporin werden eingesetzt. Die ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren, vor allem EPA, muss sichergestellt sein. Die Fütterung sollte möglichst hypoallergen sein. Akute Durchfallphasen können mit Bentonit und Eichenrinde schneller kontrolliert werden.

4. Rektum

Als Rektum bezeichnet man das letzte Stück des Verdauungsapparates. Das Rektum ist Teil des Enddarms und endet mit dem Anus. Jener wird bei Hund und Katze von den beiden links und rechts liegenden Analbeuteln flankiert. In den Analbeuteln produzieren die Tiere ein Duftsekret, welches einen für Menschen üblen, fischigen Geruch aufweist. Die Analbeutel haben keine eigene Bemuskelung, welche die Entleerung steuert, sondern werden lediglich passiv entleert: Der Kot massiert, getrieben von der Darmperistaltik, das Sekret über die Ausführungsgänge der Analbeutel. Der Geruchsstoff macht die Kotmarkierung für Artgenossen einzigartig.

Probleme im Rektalbereich sind relativ häufig; die häufigsten Erkrankungen sind Divertikel, Perianalfisteln und Analbeutelentzündungen.

1. Rektumdivertikel

Als Rektumdivertikel bezeichnet man eine Aussackung der Enddarmschleimhaut. Betroffen sind meistens ältere Hunde größerer Rassen. Die Aussackung entsteht in Folge eines Einrisses der umgebenden Muskelfasern. Durch diesen Riss kann nun die Schleimhaut zusammen mit Darminhalt wie ein Beutel gedrückt werden. Eine einseitige Schwellung entsteht, welche sich in der hinteren Ansicht des Hundes häufig bereits sehen lässt. Bei der rektalen Untersuchung kann der Zugang zum Divertikel in der Regel gefühlt werden, was die Diagnose dann bestätigt.

Eine Therapie ist nur dann notwendig wenn ein Divertikel den Kotabsatz des Tieres stört oder zur Entzündung neigt. Durch Zugabe von Laxantien, zum Beispiel Lactulose, kann die Kotbeschaffenheit weicher gemacht und so der Kotabsatz erleichtert werden. Eine operative Korrektur des Divertikels kann ebenfalls durchgeführt werden, wenn eine Therapie notwendig sein sollte.

2. Perianalfisteln

Diese auch als „Schäferhund-Furunkulose“ bezeichnete Erkrankung beschreibt eine Entzündung der Perianalregion. Diese Entzündung umfasst meistens mehrere Ulzera und Fisteln und wird durch einen starken Juckreiz verkompliziert, welche betroffene Tiere zur „Automutilation“ treibt - dem gefürchteten Wundbeißen. Betroffen sind vor allem unkastrierte Rüden.
Auslöser einer Perianalfistel ist eine Autoimmunreaktion, deren genaue Ursache bisher unbekannt ist. Ein Zusammenhang mit anderen immunologischen Erkrankungen, insbesondere aus dem IBD- Komplex, erscheint wahrscheinlich. Verkompliziert wird die Erkrankung durch eine meist nässende Sekundärinfektion mit E. coli, Staphylokokken und Streptokokken.

Die Therapie umfasst eine ausführliche Wundhygiene mit Leckschutz. Zu Beginn sollten die Wunden vom Tierarzt gesäubert werden; manchmal ist hierfür eine Sedation notwendig. Eine antibiotische Abdeckung sowie Glucokortikoide oder andere Immunsuppressiva führen meist zu schneller Besserung und Ausheilung. Die Versorgung mit ausreichend Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA, muss sichergestellt werden und kann sich überaus positiv auf etwaige Rezidive auswirken. Beim gleichzeitigen Vorhandensein von Durchfall und/oder Erbrechen sollte auch die Möglichkeit einer IBD bedacht werden.

3. Analbeutelentzündungen, Analbeutelabzess

Zu einer Entzündung mit oder ohne Verschluss der Analbeutel kommt es meistens durch bakterielle Infektionen, Futterwechsel, Parasiten, Allergien oder andere Gründe für stetiges Belecken der Perianalregion. Das Eindickung des Sekrets führt zusätzlich zu einem starken Juckreiz, die Infektion im Verlauf zu Schmerzen und Kotabsatzstörungen. Sind die Ausführungsgänge der Analbeutel komplett verschlossen, kommt es zu einer Abszedierung: Der eitrige Infektionsherd durchbricht den Analbeutel sowie die äußere Haut.

Im frühen Stadium lässt sich eine Analbeutelinfektion durch Spülung der Beutel unter Kontrolle bringen. Wichtig ist eine Entleerung des Sekrets. Abszesse müssen gründlich gesäubert werden und benötigen auch eine systemische Antibiose. Bei rezidivierenden Analbeutelproblemen sollten verstärkt Omega-3-Fettsäuren, vor allem EPA, zugeführt werden. Ein Futterwechsel muss überlegt werden. Lassen sich die wiederkehrenden Entzündungen auch mit diesen Maßnahmen nicht kontrollieren, kann eine chirurgische Analbeutelentfernung in Betracht gezogen werden.

Besserung der Dickdarmentzündung durch EPA beim Vorliegen von Colon-Karzinomen. (Inflammation increases NOTCH1 activity via MMP9 and is counteracted by Eicosapentaenoic Acid-free fatty acid in colon cancer cells.)
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26864323

EPA unterdrückt die Bildung von Polypen im Dickdarm.
(Highly purified eicosapentaenoic acid as free fatty acids strongly suppresses polyps in Apc(Min/+) mice.)
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21030497

EPA reduziert Entzündungen bei IBD.
(Nutrigenomics applied to an animal model of Inflammatory Bowel Diseases: transcriptomic analysis of the effects of eicosapentaenoic acid- and arachidonic acid-enriched diets.) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17574631

EPA reduziert die Schwere einer künstlich ausgelösten Darmentzündung bei Ratten. (MAG-EPA reduces severity of DSS-induced colitis in rats.)
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27012773

Die Wirkung von durch EPA und DHA produzierter Resovine auf das Vorliegen von IBD. (EPA- and DHA-derived resolvins' actions in inflammatory bowel disease.) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26325092

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Ihr Einfluss auf Entzündungen und IBD. (Polyunsaturated fatty acids, inflammatory processes and inflammatory bowel diseases.) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18504706

Der Effekt von EPA auf künstlich ausgelöste Darmentzündungen im Schwein.
(Effect of ingestion of eicosapentaenoic acid ethyl ester on carrageenan-induced colitis in guinea pigs.)
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1316857