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Leberprobleme (Hepatopathie)

Die Leber ist das vielfältigste Stoffwechselorgan und für alle Körperfunktionen von entscheidender Bedeutung. Anatomisch liegt die Leber direkt am Zwerchfell, eng verbunden mit dem Magen. Nahezu das gesamte von Magen-Darm-Trakt zurück fließende Blut sammelt sich in der Portalvene und durchläuft die Leber als eine Art Filter, bevor es zum Herzen zurück strömt. Fremd- und Giftstoffe werden in der Leber abgebaut und konjugiert. Viele Stoffe werden über Gallenkanälchen in die Gallenblase (Fun Fact: das Pferd hat keine!) geleitet und von dort mit der Galle in den Darm ausgeschieden. Probleme der Leber werden häufig als Hepatitis (Leberentzündung) oder Funktionsmangel (Leberinsuffizienz) bezeichnet, aufgrund der Nähe zur Galle und der direkten Verbindung spricht man häufig auch von einer Cholangiohepatitis.

Lebererkrankungen bei Pferden, Hunden und Katzen können durch die diversen Funktionen der Leber in viele Gruppen unterteilt werden. Ebenso viele verschiedene Auslöser sind bekannt.

Die Symtome einer Leberinsuffizienz sind meistens gleich, unabhängig von der Ursache. Diese zeigen sich (leider!) erst wenn etwa 3/4 des Lebergewebes zerstört wurde. Aus diesem Grund können insbesondere subakute oder chronische Prozesse über einen sehr langen Zeitraum unentdeckt verlaufen. Bleiben Lebererkrankungen unbehandelt und heilen nicht aus, kommt es zu Leberfibrose bzw. Leberzirrhose, also einem bindegewebigen bzw. narbigen Ersatz von zerstörten Leberzellen.

Das Leitsymptom einer Lebererkrankung stellt ein Ikterus (Gelbsucht) ohne Anämie (Blutarmut) dar. Die Leber erscheint mittels bildgebender Diagnostik (Röntgen, Ultraschall) vergrößert (akut) oder verkleinert (chronisch). Es kann zu Aszites (Bauchwassersucht) kommen. Unspezifische Symptome sind Apathie, Schwäche, Fressunlust, Erbrechen, Durchfall, Haar- und Hautprobleme, z.T. epileptische Anfälle und Störungen des Bewusstseins.

Zwar gibt es viele Diagnosemöglichkeiten, meistens liefert aber nur die Leberbiopsie wirklich handfeste Ergebnisse. Leberenzyme im Serum (AP, AST, GGT und vor allem ALT) sind wichtige Hinweise auf den Zustand der Leber. Das Serum-Bilirubin (ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffes Hämoglobin) ist für die gelbe Körperfarbe bei einem Ikterus verantwortlich und dementsprechend erhöht. Auch die Gallensäuren können erhöht sein. Das wichtigste Protein Albumin ist bei einer Leberinsuffizienz fast immer erniedrigt.

Röntgenbilder zeigen eine Lebervergrößerung oder -verkleinerung, manchmal können so auch Umfangsvermehrungen/Tumore festgestellt werden. Im Ultraschall kann sowohl das Lebergewebe als auch der Fluss von Pfortader und die Gallenblase beurteilt werden. Leider kommen auch die erfahrensten Untersucher mit modernsten Ultraschallgeräten nicht auf befriedigende Ergebnisse: nur etwa 30-40% der Leberprobleme können korrekt diagnostiziert werden.

Nur die Leberbiopsie (mittlerweile häufig minimalinvasiv durchgeführt) kann eine definitive Aussage über die meisten Lebererkrankung geben. Das histologische Bild gibt zudem meistens die optimale Behandlungsweise preis. Vor einer Leberbiopsie muss unbedingt ein Gerinnungstest durchgeführt werden, um eine Blutungsneigung von vornherein auszuschließen.

Die Behandlung einer Lebererkrankung erstreckt sich stets auf verschiedene Punkte:

- Abstellen der Grundursache (falls möglich)

- Absetzen von belastenden Medikamenten

- Genügend Flüssigkeitszufuhr, wenn nötig durch Infusionen

- Reduktion von Infektionen und Ammoniakbildenden Bakterien durch Antibiose (meistens mit Amoxicillin/Clavulansäure und/oder Metronidazol) und Lactulose.

- Schutz der Magenschleimhaut durch Cimetidin, Ranitidin, Omeprazol oder Sucralfat

- Behandlung der eventuell bestehenden Übelkeit durch Metoclopramid oder Maropitant

- Passende Diät: wenige und hochverdauliche Proteine, viel Kohlenhydrat, wenig Fette aber ausreichend Omega-3-Fettsäuren (v.a. EPA!)

- nur bei nachgewiesener Fettlebererkrankung zufüttern von Cholin oder Inositol

- Zufütterung von S-Adenosyl-Methionin (SAMe) und Mariendiestelextrakten (Silymarin)

- Choleretika (Dehydrocholsäure) wenn kein Gallenstau besteht

Diese Vielzahl an Maßnahmen muss je nach Ursache der Lebererkrankung angepasst und verändert werden. Im folgenden sollen verschiedene mit der Leber assoziierte Erkrankungen genannt werden:


 

A. Akute Hepatitis

Auch durch die moderne Impfpraxis sind akute Leberentzündungen seltener geworden. Erkrankungen durch Hepatitis contagiosa canis (HCC) und Leptospirose findet man bei geimpften Hunden nicht. Babesiose und Leishmaniose finden sich hingegen häufig bei Hunden aus dem Ausland. Leberabszesse sind selten, genauso wie Mykosen oder Parasiten der Leber. Auch Toxine, die bei Infektionen anderer Organe freigesetzt werden, können die Leber schädigen.

Die Symptome sind ein plötzliches Auftreten der Erkrankung mit Allgemeinsymptomen wie Erbrechen, Durchfall und Lebervergrößerung (Hepatomegalie). Im Blutbild zeigt sich meistens eine Leukozytose, Leberenzyme (v.a ALT) sind z.T. deutlich erhöht.

Die Diagnose erfolgt über Bluttests, im Idealfall mit einem Erregernachweis (z.B. mittels PCR). Eine passende antibiotische Behandlung führt zu rascher Besserung.


 

B. Toxische Hepatitis

Viele tausende potentiell lebertoxische Substanzen sind bekannt. Hierzu zählen auch bestimmte Antiepileptika, Antibiotika, Antiparasitika, Zytostatika sowie diverse Stoffe, die im Haushalt, Bau, Garten oder der Landwirtschaft angewandt werden. Insbesondere bei Pferden können Phytotoxine (Pyrrolizidinalkaloide) und Mykotoxine (Aflatoxin), vor allem aber die Aufnahme von Jacobskreuzkraut (Senecio jacobis) oder Geiskraut (Senecio bicolor) zu akuten Leberdegenerationen führen.

Die Diagnose erfolgt im Ausschlussverfahren falls keine passende Substanz bekannt ist. Da Leberenzyme recht träge auf eine Vergiftung reagieren, muss häufig der Verdacht genügen.

Eine Therapie beschränkt sich somit meistens auf die Anwendung von Leberprotektiva (v.a. Silymarin, aber auch SAMe sowie ausreichend Omega-3-Fettsäuren) in Verbindung mit einer passenden Leberdiät, bei Bedarf natürlich ergänzt mit schulmedizinischer Intensivtherapie.


 

C. Steroid-Hepatopathie

Die übermäßige Gabe von Kortisonen (bzw. die übermäßige Produktion beim Cushing-Syndrom) führen zu einer vakuolären Leberzellveränderung. Die Leberenzyme AP (Alkalische Phosphatase) und ALT (Alanin-Amino-Transferase) sind erhöht. Es kommt zu Lebervergrößerung (Hepatomegalie). Eine endgültige Diagnose erfolgt durch Nachweis eines Cushing-Syndroms, durch einen passenden Vorbericht (Kortisongabe) oder durch eine Leberbiopsie.

Nach Ende bzw. Reduktion der Kortisontherapie bzw. Behandlung des Cushing reagieren die meisten Tiere schnell mit einer Normalisierung der Leberfunktion.


 

D. Chronische Hepatitis

Die Chronische Hepatitis wird entsprechend Ihrer Verlaufsform in diverse Subtypen unterteilt. Allen Typen gemein ist der über mindestens sechs Monate bestehende Verlauf. Häufig ist nach dieser Zeit der ursprüngliche Auslöser nicht mehr nachvollziehbar sondern es entsteht ein sich selbst erhaltender Entzündungsprozess. Dieser wird häufig durch eine überschießende Immunreaktion verstärkt und durch Zirrhosen, Kupfer- und Fetteinlagerungen verkompliziert.

Insbesondere bei einer chronischen Hepatitis sollte stets eine Leberbiopsie durchgeführt werden: so können ursächliche Probleme besser erkannt und behandelt werden.

Zu den Formen der chronischen Hepatitis zählen:

1. CAH (chronisch aktive Hepatitis)

Die CAH beim Hund ist eine chronische Hepatitis, die zu deutlichen Symptomen und klinischer Krankheit führt. Unbehandelt ist die CAH tödlich, da sie stets in einer gravierenden Leberinsuffizienz endet.

Die CAH entsteht aufgrund autoimmuner Prozesse häufig in Verbindung mit erhöhter Kupferspeicherung. Apathie, Ikterus, Abmagerung sowie Magen-Darm-Symptome stehen im Vordergrund. Leberenzyme, Bilirubin sowie Gammaglobuline sind erhöht.

Eine gesicherte Diagnose wird über eine Leberbiopsie gestellt. Die anschließende Behandlung umfasst eine Immunsuppression mit Prednisolon und Azathioprin, begleitend von Leberschutztherapie (spezielle Diät, SAMe, Silymarin). Leider ist die Prognose bei einer CAH nicht besonders gut.

2. CPH (chronisch progressive Hepatitis)

Die CPH stellt die gutartige Verlaufsform der CAH dar. Auch hier kann die sichere Diagnose nur über eine Leberbiopsie gestellt werden. Im Gegensatz zur CAH breitet sich eine CPH sich langsamer aus, kann spontan abheilen und reagiert wesentlich besser auf die entsprechende Therapie. Diese besteht ebenfalls aus Immunsuppressiva sowie einer Leberschutztherapie (Diät, SAMe, Silymarin).

3. Leberverfettung (Steatose)

Fetteinlagerungen in die Leber kommen auch bei gesunden Patienten vor. Nimmt diese Einlagerung jedoch überhand kann es zu einer Leberzelldegeneration kommen.

Das Hauptsymptom ist eine Hepatomegalie (Lebervergrößerung), häufig verbunden mit erhöhten Blutfetten. Die ALT kann erhöht sein, manchmal besteht eine andere Grunderkrankung (Diabetes, Cushing). Gewissheit bringen die Kombination aus Ultraschalluntersuchung und Biopsie.

Die Behandlung besteht zuallererst aus einer Ursachenforschung. Wird keine zugrunde liegende Erkrankung gefunden, kann eine Fütterungsumstellung erfolgen: Die prinzipiell fettarme Diät wird mit hochdosierten Omega-3-Fettsäuren (v.a. EPA, ca. 10-20 mg pro kg Körpergewicht) sowie SAMe (ca. 10 mg pro kg Körpergewicht) und Silymarin ergänzt.

4. Kupferspeicherkrankheit (Morbus Wilson)

Die vor allem beim Bedlington-Terrier, aber auch beim West-Highland-Terrier sowie beim Sky Terrier auftretende Kupferspeicherkrankheit beschreibt eine chronisch-aktive Hepatitis, welche durch eine unzureichende Kupferausscheidung entsteht. Durch die mangelnde Ausscheidung kommt es zur Kupferspeicherung in den Leberzellen.

In bestimmten Phasen, insbesondere bei Stress, kommt es zur Kupferfreisetzung, wodurch viele Leberzellen degenerieren. Durch die Degeneration kommt es somit langfristig zu einer Leberzirrhose.

Die Symptome sind unterschiedlich, häufig bleibt die Krankheit lange unentdeckt. Lediglich bei Bedlington-Terriern muss stets an Morbus Wilson gedacht werden. Apathie, Lethargie, Fressunlust und Erbrechen werden beobachtet, eine hämolytische Krise kann die Krankheit verkomplizieren. Die Diagnose muss mittels Leberbiopsie gesichert werden. Eine Behandlung erfolgt durch die Fütterung: Kupferarme Nahrung sowie Kupferbinder (D-Penicillinamin) sowie Leberprotektiva (SAMe und Silymarin).

5. Leberfibrose, Leberzirrhose

Sowohl Leberfibrose als auch Leberzirrhose stellen die Endresultate einer Leberdegeneration dar.

Zirrhose beschreibt einen Prozeß in der Leber, bei dem untergegangene Zellen nicht gleichwertig ersetzt werden. Es erfolgt eine Neubildung von Parenchym und Bindegewebe ohne die Funktion der Leber zu erhalten.

Fibrose hingegen ist ein Prozeß, bei dem atrophiertes Lebergewebe bindegewebig durchsetzt wird. Das Parenchym wird nicht verändert oder regeneriert. Eine Leberfibrose kann man sich wie eine Vernarbung der Leber vorstellen.

Beiden Prozessen ist zu eigen, dass sie die Funktion der Leber nicht regenerieren. Somit zeigen sich typische Symptome einer Leberinsuffizienz, im Röntgen ist die Leber verkleinert, die Leberenzyme im Normbereich oder darunter. Ultraschallbilder zeigen eine knotige, tumorartig veränderte Leber.

Eine Behandlung ist nicht möglich, es muss versucht werden die Grundursache der Fibrose/ Zirrhose abzustellen und die noch bestehende Leberfunktion bestmöglich zu erhalten. Hierfür werden Leberprotektiva (v.a. SAMe und Silymarin) eingesetzt.


 

E. Leberstauung

Eine Herzinsuffizienz oder ein Herzbeutelerguss der rechten Herzhälfte führt zu einem Rückstau des venösen Blutes in die Leber.

Zum Verständnis: Das Blut des Magen-Darm-Traktes fließt über die Pfortader (V. portae) in die Leber, verteilt sich dort, wird gereinigt und sammelt sich in der hinteren Hohlvene (V. cava caudalis) und fließt zurück in den rechten Vorhof des Herzens. Rechter Vorhof und rechte Kammer sind durch die Tricuspidalklappe von einander getrennt. Beim Herzschlag wird das Blut aus dem rechten Vorhof dann in die rechte Kammer und von dort in die Lungenarterie, A. pulmonalis, gepumpt. In der Lunge wird das sauerstoffarme Blut mit Sauerstoff angereichert und fließt über die V. pulmonalis zurück in den linken Vorhof. Linker Vorhof und linke Kammer sind über die Mitralklappe von einander getrennt. Über die Mitralklappe gelangt das Blut nun in die linke Kammer und von dort über die Aorta zurück in den Organismus.

Wird die Pumpleistung der rechten Herzhälfte durch erhöhten Druck von Außen (Herztamponade, Herzbeutelerguss) oder Innen (Tricuspidalklappeninsuffizienz, Pulmonalstenose) beeinträchtigt, kommt es zu einem Rückstau. Der venöse Blutabfluss wird gestört, die Leber zentral gestaut. Es kommt zu einem Pfortaderhochdruck und einer Bauchwassersucht (Aszites).

Andere Ursachen für einen Pfortaderhochdruck mit folgender Leberstauung spielen eine eher untergeordnete Rolle; hierzu zählen verstopfte Lebergefäße genauso wie Pfortaderthrombosen.

Die Behandlung muss in einer Unterstützung der Herzleistung bzw. einer Korrektur des primären Problems liegen. Die Leberfunktion kann mit Ergänzungsfuttermitteln (v.a. SAMe, Silymarin (Mariendistelextrakt) und Vitamine) unterstützt werden.


 

F. Portokavaler Shunt

Während der embryonalen Entwicklung ist das Herz-Kreislauf-System anders aufgebaut als nach der Geburt. Der Großteil des Blutes aus der Nabelvene umfließt die Leber über den Ductus venosus, welcher eine direkte Verbindung zwischen der Pfortader und der Hohlvene darstellt. Nach Geburt kommt es zum Verschluß des Ductus venosus innerhalb der ersten 2-3 Lebenstage.

Bei manchen Tieren bleibt dieser Verschluß aus oder ist nur unvollständig, so dass Teile des Blutes aus den Darmbereichen die Leber umfließen. Dadurch werden nicht alle Giftstoffe aus dem Blut entzogen, wodurch erhebliche Symptome entstehen können.

Neben der angeborenen Variante können portokavale Shunts auch erworben werden: hierbei kommt es infolge eines Bluthochdrucks im Pfortadergebiet zur Ausbildung von „Ausweichgefäßen“, wodurch die Leber ebenfalls umgangen wird.

Due Symptome sind neurologisch (Depression, Umherwandern, Epilepise, Blindheit, Taumeln bis hin zum Koma) sowie körperlich (Abmagerung, mangelhafte Entwicklung, Durchfälle). Bestätigt werden können Shunts im Ultraschall oder durch eine Serumgallensäuren/Ammoniak-Nachweise im Blut. Bei einem starken Verdacht können Shunts auch mittels Röntgenkontrastmitteln dargestellt werden.

Die Behandlung sollte in einem Verschluss des Shunts mittels Kathetercoil oder operativ mittels Ligatur bestehen. Manchmal ist ein Verschluss nicht möglich, weshalb die Behandlung in einer Optimierung von Fütterung und Reduktion von Darmbakterien besteht. Hierzu zählen Lactulose und Metronidazol sowie eine strikte Diätfütterung. Auch diese konservativen Behandlungsformen sind erfolgsversprechend.

Unterstützend sollte die Leberfunktion mit SAMe und Silymarin unterstützt werden, zusätzlich müssen viele Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA, zugefüttert werden.


 

G. Lebertumore

Die bei Hunden und Katzen vorkommenden Lebertumore können in primäre und sekundäre Lebertumore unterteilt werden. Während primäre Tumore Ihren Ausgang in Zellen der Leber haben, handelt es sich bei den weitaus häufigeren Sekundärtumoren der Leber um Metastasen anderer Tumore, insbesondere von Hämangiosarkomen (Milz!), Pankreas-, Magen- und Darmkarzinomen.

Die häufigsten primären Lebertumore sollen im folgenden kurz genannt werden:

- Benigne Hepatome: Diese gutartigen Tumore der Leber kommen in Form einzelner Knoten oder auch gespielt und in den Bauchraum verlagert vor.

- Hepatozelluläre Karzinome: Diese äußerst bösartigen Tumore wachsen häufig sehr diffus und unstrukturiert, können aber auch als massive Tumore auftreten.

- Gallengangstumore: Diese sehr seltenen, meist bösartigen Tumore wachsen in oder außerhalb der Leber.

Lebertumore müssen meistens eine erhebliche Größe erreichen, um klinische Symtome auszulösen. Aus diesem Grund kommt es relativ spät zur Diagnosestellung, weshalb oft bereits Metastasen gefunden werden können.

Symptome sind meistens unspezifisch: Abmagerung, Fressunlust, stumpfes Fell, Erbrechen, erhöhte Wasseraufnahme. Ein Reißen (Ruptur) größerer Tumormassen ist möglich und führt zu einer Blutung in die Bauchhöhle (Hämoperitoneum).

Die definitive Diagnosestellung kann nur nach einer Biopsie erfolgen. Vorher muss die Funktion der Blutgerinnung unbedingt überprüft werden. Auch bei Lebertumoren können SAMe und Silymarin unterstützend gefüttert werden.


 

H. Ikterus

Als Ikterus oder „Gelbsucht“ bezeichnet man den Anstieg von Bilirubin im Blut. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffes Hämoglobin und wird bei der Zersetzung roter Blutkörperchen, vor allem in der Milz, frei. Über das Blut gelangt Bilirubin in die Leber, wird dort konjugiert und in die Galle überführt. Mit der Galle gelangt das konjugierte Bilirubin in den Darm, wo Teile als Stercobilin ausgeschieden werden. Andere Teile werden resorbiert und gelangen erneut in den Blutkreislauf und werden weiter umgewandelt oder als Urobilin über die Niere ausgeschieden. Dies bezeichnet man als enterohepatischen Kreislauf.

Steigt der Bilirubinwert des Blutes auf mehr als 2 mg/dl an, kommt es zu einem Ikterus und der sichtbaren Gelbfärbung der Schleimhäute (v.a. Zahnfleisch und Bindehaut).

Aufgrund der dominierenden Rolle der Leber bei der Entstehung eines Ikterus teilt man die verschiedenen Formen einer Gelbsucht je nach Ort der Entstehung ein:

- Prähepatischer Ikterus (Hauptproblem ist vor der Leber): Wird auch als hämolytischer Ikterus beschrieben. Beim prähepatischen Ikterus kommt es durch eine Hämolyse (Zerstörung von roten Blutkörperchen) zu einer massiven Erhöhung des im Blut vorkommenden Bilirubins. Die Menge ist dabei so groß, dass die Filter-Kapazitäten der Leber überschritten werden. Hauptursachen sind hierbei Zeckenerkrankungen (Babesiose, Anaplasmose, Ehrlichiose, Hämobartonellen) oder immunologische Probleme wie AIHA (Auto-Immun-Hämolytische Anämie).

- Hepatischer Ikterus (Hauptproblem ist in der Leber): Hierbei ist die Gelbsucht und der Anstieg des Bilirubins ein Symptom deines generellen Leberproblems. Zu den möglichen Ursachen zählen Vergiftungen, Entzündungen, Leptospirose, HCC (Hepatitis Contagiosa Canis), Endotoxine, Tumore, Kupferspeicherkrankheiten oder gewisse Medikamente.

- Posthepatischer Ikterus (Hauptproblem ist hinter der Leber): Die Ursache des Ikterus liegt in einer Abflussstörung entlang des Gallensystems. Tumore der abführenden Gallengänge, eine Schwellung der Gallenblasenwand durch eine Gallenblasenentzündung (Cholezystitis), die Bildung von Gallengangssteinen (Cholelithiasis) oder viele Kristalle („Sludge“) in der dadurch sehr dickflüssigen Galle können auslösende Faktoren sein.

Eine genaue Aufklärung der Ursache ist somit am Wichtigsten. Blutbilder, Serumchemie mit dem Nachweis von Bilirubin I, Bilirubin II, Gallensäuren und Leberenzymen, eine Harnuntersuchung mit Untersuchung auf Urobilirubin, Ultraschall und Röntgen des Abdomens sowie, falls nötig, eine Leberbiopsie, helfen bei diagnostischen Aufklärung.

Eine gezielte Behandlung kann nur nach präziser Diagnose erfolgen. Eine „Leberschutztherapie“ mit angepasstem Proteingehalt, SAMe (S-Adenosyl-Methionin) sowie Silymarin sollte in jedem Fall durchgeführt werden.


 

I. Krankheiten der Galle

Die wichtigsten Erkrankungen der Galle sollen im folgenden Erläutert werden. Die üblichen Symptome bei Erkrankungen der Gallengänge ähneln denen der Lebererkrankungen, weshalb eine Differenzierung schwer fällt.

- Cholangitis bzw. Cholangiohepatitis: Entzündung der Gallengänge ohne bzw. mit Leberbeteiligung: Diese Erkrankung ist meistens eine aufsteigende Infektion und bakteriell bedingt. Ein übergreifen auf die Leber entsteht meistens durch eine Stauung. Im Idealfall wird die Erkrankung durch eine Kombination von Blutuntersuchung sowie Ultraschall diagnostiziert. Eine bakteriologische Untersuchung kann durch nach einer Punktion durchgeführt werden. Die Therapie besteht aus einer antibiotischen Behandlung.

- Cholezystitis: Entzündungen der Gallenblase entstehen vor allem durch aufsteigende Infektionen durch E.coli, Staphylokokken oder Streptokokken. Eine Cholezystitis entsteht meistens in Begleitung einer Darm- oder Leberentzündung. Der verdickte Gallenblaseninhalt bewirkt eine Abflussstörung, dadurch kommt es zu Abdominalschmerzen und regelrechten Koliken, durch austretende Galle kann eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) entstehen.. Die verdickte Gallenblasenwand kann im Ultraschall festgestellt werden, eine Punktion mit anschließender bakteriologischer Untersuchung sichert die Diagnose. Die Therapie erfolgt mit einem passend ausgewählten Antibiotikum.

- Cholelithiasis: Die Bildung von Gallensteinen bzw. Gallenkonkrement ist relativ selten und häufig nur ein Nebenbefund. Zu schweren Symptomen kommt es nur, wenn der Stein den Gallenausführungsgang blockiert und so eine Entzündung entstehen lässt. Die Symptome sind identisch mit einer Cholezystitis: am stärksten auffällig sind Druckschmerzen im vorderen Bauchbereich sowie regelrechte Koliken. Die Diagnose erfolgt über eine Ultraschalluntersuchung da die meisten Gallensteine nicht röntgendicht sind. Therapeutisch können Steine operativ entfernt werden, eine Auflösung mit Ursodesoxycholsäure ist nicht sonderlich erfolgsversprechend.