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Gelenkentzündung (Osteoarthritis)

Unter einer Osteoarthritis bzw. Arthrose versteht man den Verschleiß der Gelenke und ist charakterisiert durch einen Abschliff von Knorpel mit Abrieb von Partikeln, Erosionen, schmerzhafter Synovialitis, einer Gelenkkapselfibrose sowie sekundären Knochenwucherungen (Osteophyten). Hierbei wird die eigentliche Kontaktfläche zweier Knochen, die dünne Gelenkknorpelschicht, durch äußere oder innere Umstände geschädigt. Dazu zählen Infektionen, Traumata, Fehlbelastungen, falsche Ernährung, spezielle Medikamente, Fehlbildungen oder eine genetische Prädisposition.

Es entstehen Unebenheiten, Auswüchse oder regelrechte Gelenkmäuse, die zu weiteren Gelenkschäden führen. Gleichzeitig führen die Schädigungen zu einer reduzierten Bildung von Synovia, der Gelenkschmiere. Dadurch treten die geschädigten Kontaktflächen des Gelenks noch mehr in Kontakt. Kommen diese Gelenkflächen dann nach Ende einer Ruhepause wieder in Bewegung, sind diese Schwellungen und Erosionen sehr schmerzhaft: es entsteht die typische Morgensteifheit, welche auch meistens das erste Symptom der Erkrankung beim Tier darstellt.

Weitere Schäden sind die Folge. Der Körper reagiert mit einer Entzündung und der Freisetzung von Radikalen und Schmerzstoffen auf die Deformationen. Dies führt zu den klassischen Gelenkschmerzen bei Arthrosen und einer Schädigung der Gelenkkapsel sowie der Ausbildung einer chronischen Entzündung.

Anatomie des Knorpels

Gelenkknorpel kleidet die Knochen im Gelenkbereich aus. Er dient als Pufferzone und Gleitschicht und stellt zusammen mit der Gelenkkapsel und den Gelenkbändern den wohl wichtigsten Teil eines jeden Gelenks dar. Hyaliner Knorpel ist außerordentlich elastisch und besteht zu 95 Prozent aus der sogenannten ECM. Diese Extrazelluläre Knorpelmatrix ist aus Wasser, Kollagen und Proteoglykanen zusammengesetzt, nur fünf Prozent des Knorpels bestehen aus den eigentlichen Knorpelzellen (Chondrozyten). Das Kollagennetz besteht überwiegend aus Typ-II-Kollagen. Sowohl das Kollagennetzwerk als auch die Proteoglykane werden von Chondrozyten gebildet, deshalb sind diese auch von enormer Bedeutung für die Gelenkgesundheit. Leider können sich Knorpelzellen kaum regenerieren. Die Nährstoffversorgung des Gelenks wird durch die permanente Be- und Entlastung des Gelenk- knorpels bewirkt: dadurch entsteht ein biologischer PumpMechanismus, der die Knorpelernährung gewährleistet. Der Transport von Nährstoffen erfolgt dann mittels Diffusion rein passiv durch die Matrix. Auch deshalb ist kontinuierliche Bewegung so wichtig: Ohne permanente Belastungen kommt es zu einer Nährstoffunterversorgung und weiterem Absterben von Knorpelzellen - ein Teufelskreis entsteht: die Schmerzen nehmen zu, der Bewegungsdrang weiter ab. Durch diesen Mechanismus zeigt sich auch die Bedeutung einer frühzeitigen Behandlung von Arthrosen.

Der Gelenkknorpel selbst ist interessanterweise nicht von einem Nervengeflecht durchzogen und kann somit nicht schmerzhaft sein: Nervenfasern und Schmerzrezeptoren sitzen nur in der Synoviamembran und im subchondralen Knochen, also im Bereich der Gelenkkapsel und im Bereich zwischen Knochen und Gelenkfläche: Schmerzen entstehen somit erst bei größeren Problemen.

 

Nomenklatur:

Die Namensgebung einer Arthrose ist etwas uneinheitlich. So spricht im deutschen Raum von Arthrosen als „über dem normalen Maß hinausgehende Gelenkabnutzung“. Da hierbei auch Entzündungsreaktionen entstehen, wird im englischen Sprachraum von Osteoarthritis gesprochen. Diese ist hingegen nicht zu verwechseln mit einer Arthritis, also einer Gelenkentzündung durch spezifische Ursachen (z.B. durch Borreliose). Eine Sonderform stellt die Auto-immun-bedingte Arthritis da: diese wird als Rheumatoide Arthritis bezeichnet (siehe dort).

 

Symptome:

Die typischen Symptome sind Lahmheit an ein oder mehreren Gliedmaßen. Diese zeigen sich zu Beginn nur nach längeren Ruhephasen oder bei Wetterumschwüngen bzw. an kalten und feuchten Tagen.

Nach und nach steigern sich die Symptome jedoch und es entsteht eine mehr oder weniger starke Lahmheit. Die betroffenen Gelenke können vermehrt gefüllt sein, sind schmerzhaft und warm.

Häufig wird eine Arthrose auch als Nebenbefund bei Röntgenaufnahmen diagnostiziert.

 

Therapie:

Generell kann zwischen einer konservativen und einer operativen Therapie unterschieden werden.

Die konservative Therapie besteht aus Chondroprotektiva, welche die bestehende Knorpelgrundsubstanz schützen sollen (v.a. Glucosamin, Hyaluronsäure, …), der Zufuhr von wichtigen Nährstoffen (vor allem B-Vitamine, Mangan, Selen, …) und Entzündungshemmern. Diese können sowohl auf natürlicher Basis (Teufelskralle, Weidenrinde, …) als auch chemisch definiert sein: Meloxicam, Carprofen, Coxibe oder Glucokortikoide. Diese Entzündungshemmer sind dann natürlich verschreibungspflichtig. Insbesondere Glucokortikoide, also Cortison, ist umstritten: zwar wirken diese Mittel kurzfristig recht gut und lindern die Symptome, scheinen aber ein Fortschreiten der Knorpelzerstörung zu beeinflussen. Aus diesem Grund sollte der Einsatz gut überlegt werden.

Zusätzlich sollte die Fütterung angepasst und eventuell bestehende Übergewichte reduziert werden. Das Futter sollte für eine optimale Ausrichtung sehr viele Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA (Eicosapentaensäure) enthalten. Diese kann auch in konzentrierter Form als Ergänzungsfuttermittel zugeführt werden.

Die Liege- und Schlafplätze der Tiere sollten den Umständen angepasst werden. Die Anschaffung eines orthopädischen Hundebettes lohnt sich auf jeden Fall. Wärme ist bei Arthrosen wichtig, ein Hundebett mit Rand schützt zudem vor Zugluft und die speziell konzipierte Polsterung stützt den Bewegungsapparat.

Eine gezielte Physiotherapie mit oder ohne Einsatz von Wasserlaufbändern ist ebenfalls empfehlenswert.

Die operative Therapie empfiehlt sich vor allem bei einer Arthrose, welche nur ein oder zwei Gelenke umfasst. Hierbei kann mit Endoprothesen (bei Hüft- oder Ellbogenarthrosen) gearbeitet werden, bei kleineren Hunden mit weniger als 15-20 kg kann sogar eine komplette Gelenksrevision erfolgen (Femorkopfhals-Resektion). Chirurgisch lässt sich ebenfalls das Hüftgelenk denervieren (Durchtrennung von Schmerznerven). Eine gezielte Bestrahlung betroffener Gelenke scheint ebenfalls gute Erfolge zu bieten.

Minimalinvasiv können größere Gelenke mittels Arthroskopie sondiert und behandelt werden. Hierbei werden raue Flächen geglättet („shaving“) und größere Gelenkmäuse entfernt.

Idealerweise müssen betroffene Hunde keine Treppen steigen. Laufen (v.a. Fahrrad fahren) und springen auf harten Böden sollte unterbleiben. Gleichzeitig sollten Hunde mit Arthrose Muskeln aufbauen oder zumindest erhalten, um die betroffenen Gelenke zu stützen. Schwimmen ist hierfür sehr hilfreich.

Sind bestimmte Rassen besonders gefährdet? Generell kommt eine altersbedingte Arthrose bei allen Rassen vor. Da aber viele Probleme des Bewegungsapparates einer sekundären Arthrose führen können, sind natürlich großwachsige Hunderassen häufiger betroffen.

EPA und DPA wirken stärker als DHA bei der Unterdrückung von Entzündungen im Fall von Rheumatoider Arthritis.
(Eicosapentaenoic acid and docosapentaenoic acid monoglycerides are more potent than docosahexaenoic acid monoglyceride to resolve inflammation in a rheumatoid arthritis model.) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26022389

DHA reduziert Entzündungen und Gelenkzerstörungen bei Mäusen mit Arthritis. (Docosahexaenoic acid reduces inflammation and joint destruction in mice with collagen-induced arthritis.)
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24008816

Die Verbindung zwischen Omega-3-Fettsäuren im Plasma und Arthritis.
(Plasma n-3 fatty acids and clinical outcomes in recent-onset rheumatoid arthritis.) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26283657

Das Verhältnis zwischen EPA und DHA hat eine Wirkung auf die Entwicklung von Arthritis bei Ratten.
(The eicosapentaenoic to docosahexaenoic acid ratio of diets affects the pathogenesis of arthritis in Lew/SSN rats.)
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10702585

EPA verhindert das Absterben und Strukturverlust von Knorpelzellen nach oxidativem Stress.
(Oxidative stress-induced apoptosis and matrix loss of chondrocytes is inhibited by eicosapentaenoic acid.)
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25469820

Einsatzgründe für EPA und DHA als Therapie für Arthritis.
(Implications for eicosapentaenoic acid- and docosahexaenoic acid-derived resolvins as therapeutics for arthritis.)
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26165764

Fischöl senkt das Vorkommen von Metalloproteinasen in der Gelenkflüssigkeit bei Hunden mit entzündlichen Kniegelenkserkrankungen.
Fish oil decreases matrix metalloproteinases in knee synovia of dogs with inflammatory joint disease.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17531456