A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Bauchspeicheldrüse (Pankreas)

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist eines der wichtigsten Verdauungsorgane bei Hunden und Katzen. Generell kann man Probleme der Bauchspeicheldrüse in drei große Gruppen einteilen, wobei sich die Verlaufsformen dieser Gruppen überschneiden können:

A. Entzündliche Erkrankungen (Pankreatitis)

B. Nicht-Entzündliche Erkrankungen (exokrine Pankreasinsuffizienz, endokrine Pankreasinsuffizienz (Diabetes)

C. Pankreastumore

 

A. Entzündliche Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)

Die Pankreatitis wird sowohl bei Hunden als auch Katzen häufig beobachtet. Die Erkrankung kann durch mehrere Faktoren oder deren Kombination ausgelöst werden.

Zu Beginn einer Pankreatitis kommt es nach aktueller Lehrmeinung zu einer Aktivierung von Verdauungsenzymen innerhalb der Drüse und nicht, wie eigentlich korrekt, im Darm. Insbesondere Trypsin wird freigesetzt, dadurch auch Chymotrypsin, Lipasen und Elastasen. Diese Enzyme führen dann zu einer Selbstverdauung der Bauchspeicheldrüse (Autolyse). Hierdurch kommt es zu schweren Entzündungen, Hypoxie und der Freisetzung von Radikalen.

Folgende Faktoren können die Entstehung einer Pankreatitis begünstigen:

- Sehr fettreiche Ernährung

- Fettleibigkeit, wenig Bewegung, chronische Hyperlipidämie (Triglyceridämie)

- Darmentzündung des Dünndarms

- Thrombosen, Zirkulationsstörungen

- Verlegung des Ausführungsganges der Bauchspeicheldrüse

- Immunologische Erkrankungen, Antikörperbildung gegen Pankreasgewebe

- Medikamente (Kortison, Sulfonamide, Bromide)

Die Symptome bei einer Pankreatitis variieren. Bei einer leichten Pankreatitis dominieren Symptome wie Durchfall, Erbrechen oder Appetitlosigkeit sowie eine durch Bauchschmerzen hervorgerufene Bewegungsunlust. Die Symptome können sich bei Vorliegen schwerer Entzündungen (teils hämorrhagische/nekrotisierende Pankreatitis) zu Fieber, Atemnot, Schwäche, Depression durch Kreislaufschwäche, Futterverweigerung und Schockzuständen führen.

Die Diagnose ist nicht immer einfach zu stellen. Ein schmerzhafter Bauchbereich (Abdomen) ist häufig zu fühlen. Im Blut sind die klassischen „Pankreaswerte“ Alpha-Amylase und Lipase nur manchmal verändert. Lipide, Blutzucker sowie Leberenzyme (AP, ALT) können erhöht sein. Im Blutbild kann eine Leukozytose mit Linksverschiebung vorliegen. Einen genaueren Marker für eine Pankreatitis stellt die cPLi (canine Pankreatische Lipase) beim Hund bzw. die fPLi (feline Pankreatische Lipase) bei der Katze dar. Sind cPLi bzw. fPLi erhöht muss von einer Pankreatitis ausgegangen werden.

Im Ultraschall kann die Struktur der Bauchspeicheldrüse untersucht werden. Schwellungen, Tumore oder Abszesse können so erkannt und im optimalen Fall für eine genauere Untersuchung punktiert werden.

Die Behandlung hat drei Ziele: Stop der Enzymfreisetzung, Stop der Entzündung und Besserung des Allgemeinbefindens. Hauptelement der Therapie muss eine strenge Futterumstellung sein - hier wird eine fettarme tierärztliche Diät (Fertigfutter vom Tierarzt oder Reis mit Hähnchen und Magerquark) empfohlen. Unterstützt wird die Therapie mit Infusionen, Entzündungshemmern, Schmerzmitteln sowie Antibiotika (wobei deren Sinn umstritten ist). Zur Reduzierung der Entzündung, zur Thromboseprophylaxe sowie zur Senkung der Lipide im Blut wird EPA (Eicosapentaensäure) wie in unserem Produkt EPA70 in einer Dosierung von 10-20 mg pro Kilogramm Körpergewicht zweimal täglich empfohlen. Nur hoch-konzentrieres EPA ist geeignet, da so eine überflüssige Zufuhr von Fettsäuren vermieden wird.

Die akute Pankreatitis kann in eine chronische Form übergehen, insbesondere wenn milde Verlaufsformen spät oder gar nicht entdeckt und behandelt werden. Die Therapie entspricht der einer akuten Verlaufsform und muss über mehrere Wochen fortgesetzt werden.

Generell gilt: Tiere, die bereits an einer Pankreatitis erkrankt sind, haben das hohe Risiko, erneut an einer Pankreatitis zu erkranken. Wird ein zu großer Teil der Bauchspeicheldrüse beeinträchtigt kommt es zu einer Pankreasinsuffizienz sowie Diabetes.

B. Nicht-Entzündliche Erkrankungen (exokrine Pankreasinsuffizienz, endokrine Pankreasinsuffizienz (Diabetes)

Die exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI) bedeutet einen Mangel an Pankreassekret im Darm, wodurch es zu einer Fehlverdauung (Maldigestion) kommt. Die EPI kann primär entstehen (am häufigsten als azinäre Pankreasatrophie beim Schäferhund) oder sekundär in Folge einer akuten oder chronischen Pankreasinsuffizienz.

Die Hauptsymptome sind Abmagerung, fehlender Fellglanz, Schuppenbildung, Durchfälle (gelblich) bzw. stinkender Kot sowie ein extremer Appetit.

Die Diagnose erfolgt über einen Bluttest (TLI: Trypsin-like immunoreactivity, das Tier vorher mind. 12 Stunden nüchtern lassen, in Verbindung mit Vitamin B12 und Folsäure) oder über eine Kotuntersuchung (Pankreaselastase erniedrigt). Andere Tests (Kohlenhydratnachweis mit Sudan-IIILösung) spielt kaum mehr eine Rolle.

Die Behandlung besteht aus einer Zugabe von Pankreasenzymen zur Fütterung, zudem müssen eventuell bestehende Vitamin-Defizite ausgeglichen werden. Die Fütterung sollte reich an leicht verdaulichen Eiweißen sein und wenig Fette aber ausreichend Omega-Fettsäuren enthalten. Sekundär bestehende Symptome wie eine Dysbakterie oder eine Pankreatitis müssen zusätzlich behandelt werden.

C. Pankreastumore

Pankreastumore sind glücklicherweise selten. Man kann zwischen endokrin aktiven Tumoren und inaktiven Tumoren unterscheiden. Letztere zeigen diffuse Symptome und werden meistens durch Röntgenuntersuchungen, Ultraschallbilder oder im Rahmen einer Pankreatitis-Diagnostik gefunden.

Endokrine Pankreastumore, meistens Adenome oder Adenokarzinome, können in den Insulinproduzierenden Betazellen entstehen (Insulinome) oder in den Gastrin-produzierenden Inselzellen.

Insulinome produzieren permanent Insulin und sorgen für regelmäßige Unterzuckerungen (Hypoglykämien). Diese zeigen sich durch Muskelzittern, Steifheit bis hin zu Ataxie und Kollaps. Im Blut können erhöhte Insulinwerte bei erniedrigten Glucosewerten gemessen werden; der gemessene Quotient aus Insulin und Glucose ist entscheidend und beweisend. Im Ultraschall sind Insulinome manchmal finden. Die Therapie ist sehr speziell und besteht aus einer Futterumstellung, Kortikoiden sowie Diazoxid. Eine chirurgische Therapie ist meistens nicht erfolgreich.

Die seltenen Inselzelltumore produzieren unkontrolliert das Hormon Gastrin. Dadurch wird eine spezielle Erkrankung, das „Zollinger-Ellison-Syndrom“ ausgelöst. Durch Gastrin wird die Ausschüttung von Magensäure gefördert, es kommt zu Magengeschwüren (Ulzera), Erbrechen, Durchfall und diversen Symptomen des Magen-Darm-Traktes. Die Diagnose kann durch Ultraschalluntersuchungen sowie durch den Nachweis von erhöhten Gastrin-Werten im Serum erfolgen. Die mögliche Therapie liegt in einer operativen Tumorentfernung, die Prognose ist aber leider ungünstig.